Ein Häufchen Elend. Abriss Teil III (und Ende).

So, damit das hier nicht zu einer unendlichen Geschichte verkommt und ich vor allem auch endlich mal zu den schönen Dingen (nämlich unserem endlich beginnenden Neubau!) kommen kann, zeige ich nun den dritten und letzten Teil des Abrisses.   Jetzt ging es auch dem hinteren Giebel an den Kragen. Wenn ich mich auf meinem Computer durch die Bilder klicke, ist es fast wie ein Film. Das geht beim Runterscrollen natürlich leider nicht so gut. Aber ich finde es trotzdem krass, wie man die einzelnen Wandteile fallen sieht (z. B. auf dem dritten, fünften und sechsten Bild). AbrissAbrissAbriss AbrissAbriss Abriss Abriss Abriss Abriss Da wird schön ordentlich das Fenster heraussortiert… Abriss Abriss Abriss Bei diesem Anblick muss ich sogar jetzt noch ein wenig schlucken: Abriss Und wieder auf die andere Seite: Abriss So (Bild unten) sah der Holzberg zu diesem Zeitpunkt aus. Im oberen Teil sieht man einen Teil der schönen alten Treppe, deren Geräuschkulisse meine Oma (und später auch die unten wohnenden Mieter) so manches Mal wahnsinnig gemacht hat, wenn meine Cousine und mein Cousin als Kinder wild darüber gepoltert sind. Ich hatte mir im Vorfeld gar keine Gedanken darüber gemacht, dass die Treppe fast als Ganzes herausgebrochen werden und dann auf einem Schutthaufen enden würde (zumindest bis zu ihrem Abtransport). Überhaupt hatte ich mir den Abriss ganz anders vorgestellt – wobei ich gar keine wirklich konkreten Vorstellungen hatte. Ich dachte irgendwie, erst würde mit roher Gewalt das komplette Haus zum Einsturz gebracht – mit einer Abrissbirne oder so – und dann läge alles als kleinteiliger Schutt dort und würde gegebenenfalls grob sortiert. Jetzt ist mir natürlich auch klar, dass es viel zeitsparender ist, von Anfang an alles ordentlich vorzusortieren. Außerdem ist es bestimmt ungefährlicher, wenn nicht unzählige Tonnen Baumaterial wild und unkontrolliert durch die Gegend fliegen. Es wirkte für uns dadurch auch weniger “brutal”. Trotzdem war es auch ein bisschen komisch, Teile des Hauses, die wir aus bestimmten Räumen kannten, plötzlich in herausgerissener Form auf einem quasi Müllberg zu sehen – wie eben die Treppe oder Türen und Fenster oder Parkett oder Teile des Badezimmers. Abriss Abriss Ein Stück Parkettboden: Abriss Abriss Und die nächsten Wände: Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss So sah es nun von der anderen Seite aus: Abriss Um nicht alles völlig zu überfrachten, habe ich mich mal an einer Collage versucht (obwohl ich eigentlich nicht so ein Fan davon bin, aber diese Bilderfolge sieht man so vielleicht auch ganz gut). Jetzt kam nämlich eine der bahnbrechenderen Aktionen: Der Bagger setzte am Balkon (deren Fußboden gleichzeitig auch die Decke des ehemaligen Wintergartens dargestellt hatte) an, brach ihn unter riesigem Getöse in einem einzigen Stück heraus und ließ ihn dann zu Boden fallen, um ihn zu Bruch zu bekommen. Schade, dass die Bilder ohne Ton sind… Abriss Abriss Abriss Hier nochmal eine Momentaufnahme in groß: Abriss Und so sah das Haus danach aus. Da fehlte plötzlich ganz schön viel:AbrissAbriss Eine faszinierte kleine Tochter Nr. 1 (die neuerdings übrigens ständig im Vorbeifahren irgendwelche Häuser kommentiert: “Die Häuser sind alt. Da muss der Bagger kommen.” Äh, naja, vielleicht nicht bei allen…).Abriss Da war wohl noch ein halber Giebel zu viel. Aber nicht mehr lange: Abriss Abriss Abriss Abriss Und auf der gegenüberliegenden Seite war auch noch einer:Abriss AbrissIch fand es bemerkenswert, wie “müllig” etwas aussehen kann, das gerade noch ein Haus war. Ich meine, dieses Haus war vor dem Abriss zwar sanierungsbedürftig, aber es wirkte nicht so gammelig, wie man anhand der nun herausquellenden Dämmmaterialien und ähnlichem vermuten könnte. Wahrscheinlich ist das bei alten Häusern grundsätzlich ganz gut so, dass man im Normalfall nicht sehen kann, was sich dort alles in den Wänden befindet und wie das genau aussieht – sonst könnten etwas zarter besaitete Menschen wohl nicht mehr ruhig und ohne Ekelgefühle darin wohnen. Vielleicht sieht es aber auch schlimmer aus als es ist (ich gebe gerne zu, dass ich zu den ekeltechnisch zarter besaiteten Menschen gehöre). Davon mal abgesehen fand (und finde) ich es aber auch immer noch seltsam, auch in diesem Zustand des Hauses (also als fast nichts mehr davon übrig war) noch intakte Wände mit Steckdose und Lichtschalter zu sehen. Das war wie eine Art Anachronismus. Als ob das Haus im totalen Untergangschaos noch ein Stück Normalität bewahren wollte. Ja, ich weiß, ein Haus ist keine Person ;-) . Ich meine das im übertragenen Sinne. Oder so.  Abriss Abriss Abriss Auch vorne wurde nochmal abgebissen:Abriss Ohne Dach und erste Etage. Eine Art Bungalow. Ein sehr luftiger allerdings. Abriss Unter extremem Kraftaufwand und ziemlicher Staubentwicklung wurde ein großer Teil des Parketts aus dem Erdgeschoss (bzw. aus den wenigen Zimmern, die noch übrig waren) herausgerissen. Das war noch erstaunlich intakt. Aber was soll’s – weiterverwenden können hätte man es wohl kaum.Abriss Abriss, Parkett wird herausgebrochen Abriss, Parkett wird herausgebrochen Abriss, Parkett wird herausgerissenAbriss, Parkett wird herausgerissen Nun blieb eigentlich nur noch die vorderste Front des Erdgeschosses:AbrissAbrissAbriss Ich fand es auch hier wieder erstaunlich, dass der Baggerführer aus all dem Bruch und Durcheinander zielsicher den Heizkörper herausfischte, um ihn auf den Metallhaufen zu legen.AbrissDies war vor langer, langer Zeit mal das Arbeitszimmer meines Opas. Da mein Opa leider schon vor vielen Jahren verstorben ist, hat der Raum mittlerweile mehrere andere Nutzungen erfahren. Als ich so hineingucken konnte, war es für mich irgendwie trotzdem noch “Opas Arbeitszimmer”, das noch fast bis als letztes stand. Seltsamerweise war die Türklinke umgedreht – wodurch auch immer – und die Zimmerdecke fehlte bereits.Abriss Die Tür gehörte natürlich auf den Holzstapel und musste daher als nächstes raus:AbrissMittlerweile kamen auch ein paar neugierige Nachbarskinder, um das große Finale nicht zu verpassen (und mit dem Smartphone zu filmen).Abriss Neben der Wohnzimmerwand stand bis ganz zum Schluss die Wand zur ehemaligen Terrasse bzw. zum ehemaligen Wintergarten samt Kamin – mitsamt dem hübsch-hässlichen aber jedenfalls absolut stilechten runden Bleiglasfenster, das auf dem nächsten Bild rechts zu sehen ist. Mein Schwager hatte kurz vorher noch zu bedenken gegeben, dass Bleiglasfenster doch sicher bald wieder im Kommen wären (das würde mich nicht wundern, nachdem auch “Mid-Century” neuerdings der große Renner ist) und ob wir das Fenster nicht ausbauen und behalten wollten. Wir haben wirklich ernsthaft darüber nachgedacht, aber in unserem geplanten KfW-55-Haus können wir es unter Energiegesichtspunkten nun beim besten Willen nicht unterbringen – oder zumindest nicht als reguläres Fenster einbauen lassen. Außerdem passt es eigentlich auch sonst nicht rein. Und eine Garage haben wir im ersten Aufschlag nicht geplant; die ist erst ein wenig später dran. Also haben wir von dieser Idee wieder Abstand genommen und es dem Schwager zum Selbstausbau angeboten – aber auch der konnte es in seinem Haus nirgendwo unterbringen. – Ich musste jedenfalls ganz bis zum Schluss daran denken und witzelte ständig mit Herrn Kathrinville, dass er dem Schwager schnell noch Bescheid sagen solle, dass jetzt gerade noch Zeit wäre, das Fenster auszubauen. Herr Kathrinville verstand die ersten Male gar nicht, dass es ein Witz war. Na, der traut mir ja offensichtlich einiges an Beklopptheit zu – als ob ich allen Ernstes jemanden mitten im Abbruch vor den Bagger schicken und ein Fenster ausbauen lassen würde… Abriss Abriss Wir nähern uns dem letzten Akt:Abriss Abriss Abriss Aus der seitlichen Perspektive: Abriss AbrissWasser marsch: AbrissNoch stand die Wand mit dem Bleiglasfenster. Vielleicht doch noch schnell den Schwager anrufen? Abriss Abriss Nun hieß es offenbar auch bei Petrus “Wasser marsch”: Es fing an zu schütten. Die nächsten Bilder sind daher etwas wässerig, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, den Fall der letzten Wände mitzuerleben und auch festzuhalten. Auf dem nächsten Bild ist zu sehen, wie die allerletzte Außenwand des eigentlichen Hauses fiel. Der Rest war nur noch die Terrassen- bzw. Wintergartenwand mit dem dazugehörigen Kamin/Schornstein.AbrissAbriss Abriss Abriss Die Bleiglasfensterwand stand noch. Nun machte ich aber einen Fehler: Um nicht allzu nass zu werden, spurtete ich unter das Vordach der ollen Nachbargarage (teilweise oben in den Bildern zu sehen). Noch während ich lief (und daher nicht hinguckte) passierte es: Das Bleiglasfenster fiel der Baggerzange zum Opfer. Mist! Darauf hatte ich wirklich stundenlang gewartet und nun hatte ich es verpasst. Abriss Zwei Sekunden zu spät: AbrissDie letzte Wand: AbrissAbriss Und nun noch der Kamin samt Schornstein: Abriss Abriss Abriss Abriss   Das war’s. Unglaublich, das ein Haus, für das man damals wahrscheinlich über ein Jahr gebraucht hatte, um es zu bauen, in nur zwei Tagen dem Erdboden gleich gemacht werden kann. Mit einem halben weinenden und anderthalb lachenden Augen verabschiedete ich mich innerlich vom alten Haus mit all den Erinnerungen, die darin produziert wurden und freute mich gleichzeitig sehr auf unseren Neubeginn (in einem ganz und gar gammelfreien Haus). Abriss Das war nun die Ansicht von vorne. Einfach NICHTS. Ich fand es auch an den nachfolgenden Tagen noch sehr seltsam, um die Ecke zu biegen und auf “nichts” zuzufahren – vor allem, nachdem der Bagger dann weg war. Abriss Unterdessen hatten sich einige Nachbarn versammelt, um über den Abbruch zu fachsimpeln und auch ein bisschen, um über alte Zeiten zu sprechen. Immerhin sind die zwei Nachbarhäuser am Zufahrtsweg genauso alt wie das nun abgerissene Haus, hatten aber wohl zum Glück nicht die gleiche Wasserproblematik. Wir riskierten noch einen Blick vom Waldrand aus:     Abriss Abriss Und Herr Kathrinville knipste noch schnell mit dem Handy ein Beweisfoto für die lieben Freunde, die uns zur Geburt unserer kleinen Tochter aus gewissen Gründen ein Birnbäumchen der Sorte “Gute Luise” geschenkt hatten. Alles gut: Der Baum steht noch: Birnbäumchen "Gute Luise" vor dem Schutthaufen Alles, was in den nächsten Tagen kam, war zwar auch noch interessant, hatte für mich aber emotional nicht mehr so wirklich mit dem alten Haus als solchem zu tun – denn das war ja nun tatsächlich weg. Der Schutt wurde abtransportiert und der Keller wurde herausgebrochen. AbrissAls Herr Kathrinville die Kinder in den Mittagsschlaf begleitete, ließ ich mich ganz gemütlich mit einer Schale Erdbeeren (seit wann gibt es eigentlich so spät im Jahr noch heimische Erdbeeren?! Sind die genmanipuliert???) auf der Banklehne hinter dem oben zu sehenden Haselnussstrauch nieder und beobachtete die Aufräumarbeiten. Erdbeeren Am Ende des Tages war nicht mehr viel übrig (also jetzt vom Schuttberg – von den Erdbeeren sowieso nicht, die waren ratzfatz weg). Abriss Das war es vom Abriss. Ich sage Tschüss, altes Haus. Und herzlich Willkommen, neues!   Viele Grüße, Kathrin

Mach’s gut, altes Haus. Abriss Teil II.

Am nächsten Tag ging es bereits vor halb acht weiter mit dem Abriss. Diesmal war auch Herr Kathrinville mit von der Partie und gemeinsam waren wir bis an die Zähne mit Aufnahmegeräten bewaffnet: Smartphones, DSLR, Videokamera. Zunächst der Blick aus meinem alten Kinderzimmer: halbabgerissenes Haus Herr Kathrinville stellte sich dann einen Terrassenstuhl auf den Rasen und filmte mit der Videokamera, während ich die meiste Zeit von allen Seiten aus fotografierte (oder eigentlich immer von da, wo gerade am meisten zu sehen war. Blöd, dass ich meine Hunterboots nicht dabei hatte – die Wiese war nämlich ganz schön matschig). Wegen der Morgensonne im Hintergrund sind die Bilder übrigens teilweise nicht so der Hit – aber da meine neue Maxime ja 80:20 lautet, lasse ich das jetzt mal so unbearbeitet (und auch ohne Wasserzeichen – ich gehe mal nicht davon aus, dass böse Bilderdiebe scharf auf meine amateurhaften Bilder von einem halbabgerissenen Haus sind…). Abriss AbrissAbriss Abriss Diesmal hatte der Baggerführer übrigens einen Gehilfen dabei, der teilweise die Materialien sortierte und der vor allem dann, wenn es ganz schlimm staubte, mit dem Wasserschlauch spritzte. Wir wollten ja schließlich nicht die komplette Nachbarschaft weiß tünchen. Abriss Abriss Abriss AbrissAbrissAbrissAbriss Und dann nahm er mal eben das Badezimmerfenster raus: AbrissAbrissUnd die Dachrinne: AbrissDanach war mal wieder eine Lage Dachpfannen dran: Abriss Abriss AbrissAbriss Hier sieht man noch schön die einzelnen Dachpfannen runterfallen: Abriss Es war wirklich interessant zu sehen, wie der Baggerführer ganz filigran die einzelnen Dachbalken herauszog und sie auf den Haufen mit dem Holz legte, ganz akkurat die Kabel aus der Decke zog und auch (scheinbar) behutsam die Türstürze usw. herausbrach. Einige Kleinteile fielen natürlich trotzdem immer mal wieder durcheinander in den riesigen Schutthaufen vor dem Bagger, weil die Materialien beim ursprünglichen Hausbau ja auch nicht isoliert voneinander eingebaut worden waren. Diese Teile legte der Helfer dann immer mal wieder in die Baggerkralle, die sie dann fein säuberlich auf den jeweiligen Stapel legte. Oh Mann, beim Stichwort Hausbau muss ich in diesem Zusammenhang immer wieder an meinen Uropa denken, der das Haus ja seinerzeit gebaut hat – und an alle Hoffnungen und Wünsche, die mit diesem Haus verknüpft wurden – ganz so, wie meine kleine Familie und ich es ja jetzt auch bei unserem Hausbau tun. Eine furchtbare Vorstellung, das Haus dann jetzt einfach so abreißen zu lassen. Andererseits war das Haus einfach am Ende; sonst hätten wir das ja nicht getan. Abriss Oje, und da sieht man auch wieder die verrückte Tapete aus dem Sicherungs- und Besenschrank meiner Oma. Was sie jetzt wohl denken würde, wenn sie das noch sehen könnte? Ich mag gar nicht dran denken. Ich hoffe, sie hätte Verständnis und fände es schön, dass dort etwas Neues entsteht. Interessant übrigens, was damals als Dämmmaterial für die Decken verwendet wurde. Das erinnert mich irgendwie an diese Balkonverkleidungen aus Bast: Abriss Nach einer kurzen Frühstückspause ging es weiter mit der Abreißerei. Herr Kathrinville, der mit einer längeren Pause gerechnet hatte, saß noch gemütlich am Kaffeetisch und schnitt Tochter Nr. 1 ein Brot klein, aber ich hatte es irgendwie im Gefühl, dass wir uns nicht zu lange Zeit lassen sollten, um nicht die interessantesten Dinge zu verpassen. Und richtig – als ich rausging, ging es dem Haus bereits an den Kragen… äh… ans Dach. Abriss Abriss Ich warf schnell die Videokamera an. Und dann passierte es: Der Baggerführer stieß den hinteren der beiden Schornsteine um; dieser fiel auf den vorderen und brachte dadurch das komplette Dach, beide Giebel und einen Teil der Wand zum Einsturz. Selbst das Balkongeländer wurde dahingerafft und unter dem herabfallenden Schutt begraben. Da ich ziemlich nah am Haus stand, ging ich schnell ein paar Schritte rückwärts – nicht, dass jetzt auf einmal das ganze Haus einstürzte… Mein Schwager, der gerade gekommen war, behauptete hinterher, ich hätte ziemlich erschrocken ausgesehen – ich bestreite das natürlich ;-) . Ich wollte halt nur keine herabstürzenden Steine abbekommen. Die Videokamera hatte ich natürlich immer auf das Haus gerichtet und freute mich total, diesen spektakulären Anblick gefilmt zu haben – vor allem, da Herr Kathrinville diesen verpasst hatte. Leider kam es, wie es kommen musste: Abends beim Sichten der Videos stellten wir fest, dass zwar sonst jede erdenkliche Aufnahme geglückt war, aber ausgerechnet diese nicht. Ich hatte wohl versehentlich einmal zu oft auf den Start/Stop-Button gedrückt. Darüber ärgere ich mich jetzt noch. Dies ist daher das nächste Bild: Abriss Auch von der gegenüberliegenden Seite sah das Haus mit dem halbabgebrochenen Giebel und den Rissen über den beiden Fenstern jetzt schon deutlich anders aus. Ich wartete immer darauf, ob die Risse sich wohl vergrößern und ein Stück der Wand zum Einsturz bringen würden, aber dieser Zustand blieb so, bis der Bagger an dieser Stelle aktiv wurde. Abriss In der Mittagspause des Baggerführers fuhr ich schnell hoch zum Waldrand und knipste den aktuellen Stand der Dinge: Abriss Abriss Bei der Rückkehr ein Blick von vorne: Abriss Und dann war auch die Baggerkralle schon wieder zu sehen (irgendwie sieht das ja schon ein bisschen bedrohlich aus, finde ich): Abriss Derweil es auf der anderen Seite schon wieder ziemlich staubte: Abriss Ungefähr in diesem Stadium kam eine Nachbarin zum gucken (nicht die erste…) und war ganz überrascht, dass hier ja schon fast alles weg war – von vorne sah das Haus ja auch noch recht “moderat zerstört” aus. Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Abriss Sehen Sie hier: Schuttberg an Schäfchenhimmel. Abriss Nach großem Krach am Dach… Abriss Abriss Abriss … kam endlich auch der Wasserschlauch so richtig zum Einsatz: Abriss   Mannomann, sind das viele Bilder. Ich glaube, um den Schutz unserer Privatsphäre (oder wie auch immer man das nennen soll) brauche ich mir keine Gedanken zu machen. So langweilig, wie das hier ist, guckt sich das außer uns und unserer Familie ohnehin keiner an ;-) . Aber das macht nichts. Für uns selbst ist diese Bilderfolge superspannend, darum poste ich einfach so viele Bilder wie ich will. Trotzdem schicke ich das hier jetzt erst mal ab. Wie Tochter Nr. 1 sagen würde: “Der Rest für moooaagn.” (oder für die nächsten Tage).   Viele Grüße aus den Tiefen meiner Abrissordner, Kathrin

Ein Abschied und ein Neubeginn. Abriss Teil I.

Ich hatte es ja im letzten Post schon angedeutet: Herr Kathrinville und ich haben uns vor einiger Zeit entschlossen, ein neues Haus zu bauen. Unser jetziges ist zwar auch sehr schön (und ich vermisse es jetzt schon ein bisschen, wenn ich daran denke, dass es bald jemand anderem gehört), aber aus beruflichen Gründen bot sich ein Ortswechsel an. Und so standen wir vor der entscheidenden Frage, die alle, die nicht mieten wollen, für sich beantworten müssen: Kaufen oder bauen? Grundsätzlich lieben wir beide Altbauten (natürlich nur die sanierten, nicht die zugigen und abgewrackten), also bot sich eigentlich ein “gebrauchtes” Haus an. Aber nachdem wir den Immobilienmarkt ein wenig beobachtet hatten, kamen uns die angebotenen Häuser irgendwie alle überteuert vor. Und so richtig verliebt haben wir uns auch in keins. Und ich finde, bei einem Hauskauf muss es (ähnlich wie beim Brautkleidkauf ;-) ) einfach “klick” machen. Es soll ja schließlich ein Haus “für immer” sein (und außerdem ist das ja auch ein unvorstellbarer Haufen Geld, den man da ausgibt), also sollte einem das Haus vom Grundsatz her schon ziemlich gut gefallen. Kleinigkeiten kann man natürlich immer ändern, aber das Grobe muss schon passen. das war aber bei keinem Haus der Fall. Tja, und so bauen wir nun neu. Wir finden es gut – immerhin kann man alles von vornherein mitentscheiden und sich ganz genau so aussuchen, wie man es gerne hätte. Äääh, ich korrigiere: Kann man dann, wenn es ins Budget passt. Und damit wären wir beim Nachteil des Bauens: Seitdem wir wissen, wie unglaublich hoch die Baukosten geworden sind (seitdem Bauherren so günstige Zinsen bekommen…), kommen uns die damals angebotenen Altbauten dann doch nicht mehr so teuer vor. Aber sei’s drum. Jetzt sind wir mitten drin und auch zufrieden mit dieser Entscheidung.

Nun brauchten wir also ein passendes Grundstück. In der Stadtrandlage, die es für uns sein sollte, gibt es nur noch wenige Baulücken. Viele davon sind zur falschen Seite gelegen, haben die Sonne also auf der Hauseingangsseite und nicht auf der Rückseite, wo man ja im Normalfall die Terrasse plant. Ich wollte das Grundstück gerne möglichst groß; Herr Kathrinville dachte bereits mit Grauen an den dann zu pflegenden Garten. Möglichst leise sollte es sein, trotzdem natürlich nicht zu weit ab vom Schuss. Als wir drei Grundstücke im Visier hatten, die wir mal näher unter die Lupe nehmen wollten, machten meine Eltern uns plötzlich einen Vorschlag. Direkt neben ihrem eigenen Haus stand das ehemalige und mittlerweile ziemlich baufällige Haus meiner Großeltern, in dem nach deren Tod nun Mieter sowie meine Tante mit meinem Cousin lebten. Einzelheiten lasse ich mal weg – die Quintessenz: Wir konnten es erwerben und abreißen lassen, um an dieser Stelle neu zu bauen. Damit hätten wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet und ich wusste auch erst nicht so recht, ob ich das überhaupt wollte. Auch für meine Mutter war es eine schwierige Vorstellung, mitzuerleben, wie ihr Elternhaus abgerissen würde. Ich glaube, das ist umso schwerer, wenn die Eltern nicht mehr da sind – dann geht auch das letzte große sichtbare Materielle. Und für meine Tante und deren Kinder war es natürlich noch viel viel schwerer. Letztlich hat meine Tante aber zusammen mit ihrem Sohn nun eine neue, moderne und bessere Wohnung gefunden und wir haben uns tatsächlich dazu entschieden, das alte Haus abreißen zu lassen. Echt erstaunlich bei mir, die ich mich unglaublich schwer trennen kann – ob von Dingen, Menschen, Orten oder Situationen. Aber das alte Haus war ein Fass ohne Boden. Als dort vor über 20 Jahren ein Wintergarten angebaut wurde, wurde wohl versehentlich eine wasserführende Schicht angebohrt und seitdem gab es dort ein riesiges Wasserproblem. Trotz nachträglich gelegter Drainage und allem Drum und Dran gab es bei starkem Regen Tage, an denen das Wasser ungelogen einfach so durch die Kellerwand floss wie aus einem Wasserhahn. Und im Laufe der Jahre geht das an die Substanz. Auf deutsch gesagt: Irgendwann gammelt einem das Haus einfach so unter dem Hintern weg. Dazu kamen diverse anstehende Reparaturen, eine irgendwann zu ersetzende Heizung, ein irgendwann zu erneuerndes Dach und so weiter und so fort. Deshalb entschieden wir uns (ich schweren Herzens) für den Abriss.

So sah das Haus im letzten Jahr noch aus. Man sieht schon ein wenig, dass es nicht mehr das allerneueste ist, aber dadurch, dass es noch bewohnt war, geht es rein optisch noch, finde ich. Und was man natürlich auch nicht sieht, ist die marode Substanz.

Von der Seite:

altes_Haus_2013

Von vorne:

Vorderansicht_altes_Haus

 

Letzte Woche Donnerstag war es dann soweit: Der Bagger rollte an. Meine Eltern waren – zum Glück für meine Mutter und zum Unglück für meine Vater, der den Abriss gerne gesehen hätte – im Urlaub, hatten uns aber ihr Haus zum Gucken zur Verfügung gestellt. Und so stand ich morgens um zehn vor sieben aufgeregt und mit gemischten Gefühlen mit sämtlichen verfügbaren “Aufnahmegeräten” (Fotokamera, Videokamera und Handy) im Anschlag im Garten und machte noch ein paar letzte Aufnahmen vom alten Haus:

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Dann ging ich noch mal durch alle Räume, um mich ein letztes Mal vom Haus zu verabschieden. Das hört sich vielleicht etwas albern und sentimental an, aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis danach. Dieses Haus wurde Ende der 20er Jahre von meinen Urgroßeltern gebaut; sie und ein Onkel meiner Mutter haben dort bis an ihr Lebensende gewohnt, ebenso wie meine Großeltern. Meine Mutter und ihre beiden Geschwister wurden dort geboren und sind dort aufgewachsen, meine Großeltern sind beide in diesem Haus gestorben, meine Tante hat dort mit ihrer Familie gelebt. Fast meine ganze Kindheit und Jugend lang habe ich neben diesem Haus gewohnt – das vierte Foto (und im so ähnlich auch das erste Foto) ist der Blick aus meinem alten Kinderzimmer. Ich kann mich an unzählige Momente dort bei meinen Großeltern erinnern. Fast alle meine Erinnerungen an meine Großeltern sind auch irgendwie mit ihrem Haus verknüpft. Ich musste daran denken, wie viel Arbeit mein Opa und in den letzten Jahren auch mein Vater in dieses Haus gesteckt haben (und von meinem Uropa nehme ich es einfach mal ebenfalls an) und ich fühlte mich ganz komisch, das jetzt abreißen zu lassen. Ein so altes Haus mit all dem, was darin passiert ist. Aber auf der anderen Seite war es eben einfach auch ziemlich kaputt und es ist doch auch ein wunderschöner Gedanke, dass dort jetzt etwas Neues entsteht und dass ein jüngerer Teil derselben Familie an derselben Stelle weiterlebt.

Ein bisschen komisch wurde mir ganz zum Schluss, als ich die Haustür schloss und den noch dort befindlichen Segen der Sternsinger aus dem Jahr 2013 sah. Immerhin heißt das ja übersetzt “Gott schütze dieses Haus”. Darf man das dann abreißen?

Segen der Sternsinger an der Eingangstür

 

Zu spät. Ich hörte schon den Bagger den kleinen Weg zu unserem Grundstück hochfahren.

Das war ein Spektakel: Dieser riesige Bagger auf dem schmalen Weg. Ich dachte, der passt da NIE durch und sah im Geiste schon die Vorgärten der Nachbarn zerstört und das Nachbarschaftsverhältnis auf ewig im Eimer. Kurz überlegte ich, ob die Bauversicherung, die wir gerade abgeschlossen hatten, wohl schon wirksam war (war sie, aber sie deckt den Abriss nicht mit ab).

Bagger auf schmalem Weg

 

Aber – oh Wunder – es klappte ohne Schäden.

Um den Asphalt nicht zu beschädigen, wurde der Bagger von mehreren Männern begleitet, die alte Autoreifen vor die Ketten des Baggers zu legten, sie hinterher wieder aufhoben und sie dann wieder nach vorne trugen. Sowas habe ich noch nie gesehen. Aber sehr clever. Und eindrucksvoll. Die ganze Nachbarschaft beobachtete die Einfahrt des Riesen.

Bagger

 

Nachdem die Männer vom Abrissunternehmen kurz vor Ort die Lage gecheckt hatten und noch einmal gemeinsam mit mir im Haus waren (mein allerletzter Besuch im Haus war daher nicht so sentimental – der Baggerführer: “Sie können ruhig abschließen. Ich mache die Tür schon wieder auf.”), ging es auch schon los. Da wurde nicht lange gefackelt. Ich war nur eine Viertelstunde weg, um mich um die Kinder zu kümmern, und zack, schon war das Dach der alten Scheune (alias Garage) fast weg.

Abriss Scheune

Das ging übrigens sehr filigran vonstatten: Ich hatte ja rohe Gewalt erwartet, aber der Baggerführer nahm die Dachbalken einzeln wie mit einer Pinzette heraus und sortierte direkt Holz zu Holz, später dann Metall zu Metall, Dämmwolle zu Dämmwolle und so weiter.

Brutal war es natürlich trotzdem; immerhin wurde da ein Gebäude komplett abgerissen. Und es dauerte vielleicht eine Dreiviertelstunde, dann war die Scheune Geschichte.

Abriss

Abriss Scheune

 

Nachdem die Scheune so ziemlich weg war, musste ich wieder für etwa eine Viertelstunde verschwinden, und als ich wiederkam, bot sich mir dieses Bild:

Abriss Haus

Das ging ja Schlag auf Schlag!

Ich ärgerte mich etwas, weil ich den ersten Hieb auf das Haus doch so gerne gesehen hätte, aber nun war es zu spät.

Abriss Haus

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Von der Seite sieht das Dach bislang nur ein bisschen angeknabbert aus…

Abbruch Haus

Aber dann zog der Bagger einen Stützbalken heraus… und… broooooochhhhhh:

Abbruch Haus

Das war jetzt auch von dieser Seite mehr als nur ein bisschen angeknabbert:

Abbruch Haus

Nun ging es richtig an’s Eingemachte. Dass die Scheune abgerissen wurde, war ja noch okay (auch wenn ich selbst mit dieser Scheune noch ein paar lustige Geschichten verknüpfe). Aber diese große Baggerkralle, die die einzelnen Zimmer zerstörte, war irgendwie doch noch was anderes. Das ist ein ziemlich seltsames Gefühl, wenn man eine Pranke die Badezimmerwand durchbrechen sieht und man plötzlich von der Wiese aus direkt auf die Wandfliesen blicken kann (die ich übrigens sehr retromäßig stylisch finde). Und im nächsten Moment nimmer der Bagger dann den kompletten Fliesenspiegel, bricht ihn mitsamt Wand aus dem Gebäude und wirft ihn auf den Schutthaufen. Ein Häufchen Elend.

Abbruch Haus

Abbruch Haus

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Und die Badezimmertür gleich hinterher.

Abriss, Badezimmertür in der Klaue des Baggers

Ich habe so oft auf den Auslöser gedrückt, wie meine Kamera es erlaubt hat. Aus manchen Bildfolgen könnte man glatt ein Daumenkino machen. Aber ich bin froh drüber – schließlich ist das ja tatsächlich etwas Unwiederbringliches und Unwiederholbares.

Abriss

 

Abriss

Abriss

Abriss

Abriss

Abriss

Abriss

 

Und die letzte Außenwand des Anbaus muss gehen:

Abriss

Abriss

Abriss

 

Was mich ein wenig angerührt hat, ist die mit der verrückten Tapete verzierte Wand, die auch auf dem nächsten Bild gut zu sehen ist. Sie befand sich in einem Einbauschrank im Eingangsbereich, in dem neben dem Sicherungskasten vor allem Besen und dergleichen untergebracht waren. Bevor meine Großeltern in den 80ern neue Fliesen bekamen, standen dort nach meiner Erinnerung auch die Bohnerutensilien meiner Oma. Von gebohnerten Böden war ich als Kind total fasziniert… Da man das Schrankinnere im Normalfall nicht sah, hatte hier drinnen wohl seit den 60er oder 70er Jahren niemand neu tapeziert. Beim Abriss war der Wandschrank schnell weg, aber die tapezierte Wand dahinter sah man noch sehr lange. Bei ihrem Anblick musste ich die ganze Zeit an Fotos meiner Oma aus den 70ern denken…

Abriss

 

Von der anderen Seite passierte nun Folgendes (ich wollte unbedingt festhalten, wie die Wand aus Glasbausteinen links neben der Tür hinter dem Holzding fällt, aber ich glaube, das habe ich gefilmt und nicht fotografiert. Es ging jedenfalls unglaublich schnell und plötzlich lagen die Glasbausteine einfach so rum):

Abriss

Sieht das nicht aus, als würde ein Riesenroboter ein Stückchen aus dem Haus rausbeißen?

Abriss

Abriss

Abriss

 

Und da war’s an diesem ersten Tag. Um kurz nach 16 Uhr war der komplette Anbau des Hauses weg.

Herr Kathrinville ärgerte sich ein wenig, als er eine Stunde später von der Arbeit kam, dass er alles verpasst hatte. Aber am nächsten Tag hatte er glücklicherweise frei und konnte den ganzen Tag lang gucken.

Aber davon ein schreibe ich im nächsten Post – diesen monsterlangen Post schicke ich jetzt erst mal ab.

 

Staubige Grüße von der Baustelle,

Kathrin

 

Wieder da.

Kamille, Mohn und Gräser

Kamille, Mohn und Gräser

 

Mein Blog hat mich wieder. Vorläufig zumindest…

Über ein Jahr ist seit meinem letzten Beitrag vergangen. Und in dieser Zeit ist in meinem Offline-Leben unglaublich viel passiert. Eine Hochzeit, ein spannender aber fordernder Beruf, eine schwierige Schwangerschaft mit gutem Ausgang und einem wunderbaren Kind, eine sehr ausgiebige Hausplanung und so einiges mehr. Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum bloggen. Und eigentlich war mein Blog auch vor meiner Pause noch gar nicht so richtig ans Laufen gekommen und ich bin mir gar nicht sicher, ob es sich lohnt, ihn an dieser Stelle fortzuführen. Aber irgendwie höre ich ihn rufen, meinen Blog. Erst leise. Und in letzter Zeit immer lauter.
Ich weiß noch nicht so genau, wohin die Blogreise uns führen wird – meinen Blog und mich. Aber ich mach’s jetzt einfach mal.

Mein Vorsatz geht ein bisschen gegen meinen latenten Hang zum Perfektionismus: Ich habe mir nämlich vorgenommen, nichts zu planen, sondern einfach zu machen. Ich werde jetzt nicht an meinem Header rumbasteln, der mir nicht (mehr) so richtig gefällt, ich werde keine Plugins installieren, die ich nicht so richtig verstehe und ich werde auch sonst vorerst nicht am Design herumoperieren. Es juckt mir zwar in den Fingern, aber wenn ich das mit meinem… sagen wir mal… Zehntelwissen (Halbwissen wäre nämlich extrem übertrieben)… täte, käme ich niemals zu schreiben. Und das ist es, was ich jetzt vorhabe: Einfach mal schreiben. Und Fotos zeigen. Ich will einen Blog im wahrsten Sinne des Wortes schreiben. Ein Weblog. Ein Tagebuch im Internet. Zum Nachlesen für mich und für die Menschen, die gerne an meinem/unserem Leben teilhaben möchten. Alles werde ich nicht schreiben; vieles werde ich im Privaten halten. Aber einiges möchte ich gerne mit denen teilen, die ich mag und die leider zu weit weg wohnen, um unser Leben “live und in Farbe” mitzuerleben. Ob mein Blog zum Hausbau-Blog mutiert oder zum Mami-Blog oder zum Garten-Blog oder zum Interior-Blog oder zum DIY-Blog oder zu irgendetwas ganz anderem, weiß ich noch nicht. Das wird sich zeigen. Ich fange jetzt einfach mal wieder an…

 

Im Moor {vom Knaben keine Spur}.

Moor. Meine bisherigen Assoziationen damit waren eher gruseliger Natur. Ohne nähere Kenntnisse (ich war bislang noch nie im Moor) lief mir beim Wort Moor immer ein leichter Schauer über den Rücken. Nebelschwaden, die über eine sumpfige Ebene wabern. Wege, die man kaum erkennt – aber nur ein falscher Schritt, und versinkt man im Morast und kann sich nie wieder herausziehen (es sei denn, man heißt Münchhausen). Menschen, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Rothaarige Moorleichen, die 3000 Jahre alt sind. Die Moorsoldaten. Und natürlich “Der Knabe im Moor” von Anette von Droste-Hülshoff:

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

(…)

Und besonders schön schaurig:

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
“Ho, ho, meine arme Seele!”
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Tja. Und dann war ich neulich erstmalig in meinem Leben tatsächlich im Moor. Meine Hunter Boots im Gepäck. Und das Multitool griffbereit, um etwaige Angriffe etwaiger untoter Moorleichen mit grünlichen, spinnenbeinartigen Fingern abzuwehren.

Und was war? Nix war. Strahlender Sonnenschein. Idylle pur.

weites Land im Dipholzer Moor

Waldweg in der Diepholzer Moorniederung

 

So wirkte es wenigstens auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinsah, konnte man erahnen, dass der Boden doch nicht die sanfte grüne Wiese war, die man vermutete:

Diepholzer Moorniederung

 

Und wenn man sich in die andere Richtung drehte, sah es trotz des strahlenden Sonnenscheins auch schon ein wenig finsterer aus.

Diepholzer Moorniederung

 

Und irgendwie fand ich es auch unglaublich, dass mitten im Land so viel Land ist… Also, wir befanden uns mitten in Niedersachsen, da sollte man doch meinen, dass da in Sichtweite irgendwo immer menschliche Behausungen sind. Immerhin gab es Windräder als Zeichen der Zivilisation (die sieht man aber auch nur, weil ich das Foto von einem Aussichtsturm mit dem Teleobjektiv aufgenommen habe).

Diepholzer Moorniederung

 

Irgendwie war mir aber immer noch nicht richtig schaurig zumute.

Das änderte sich auch nicht, als wir an eine andere Stelle fuhren, an der von der von Bodelschwinghschen Stiftung Bethel eine Rinderzucht betrieben wird.

Moor in Freistatt

 

Wenn ein Rind dort nicht versinkt, wird doch auch kein Knabe versinken, oder?

Aber wer weiß, vielleicht waren die Rinder ja auch nur eine Fata Morgana? Aus der Nähe gesehen habe ich sie jedenfalls nicht…

Rinder im Moor

Rinder im Moor

schiefer Turm im Moor in Freistatt

Diepholzer Moorniederung

 

Aber dann. Zwar immer noch kein Nebel in Sicht. Dafür aber Sumpf. Quasi die Everglades von Niedersachsen.

Sumpf

 

Fehlte nur noch ein klitzekleiner Alligator.

Sumpf im Diepholzer Moor

 

Ich bin mir sicher, dass der (also der Alligator) hinter der einen Birke da hinten links lauerte.

Aus Angst schickte er nur seinen Kollegen vor. Der Feigling.

Frosch im Sumpf

 

Idyllisch war es aber trotzdem. Besonders das zweite Bild aus dem Sumpf mag ich sehr. Und in natura sah es noch viel schöner aus. Am liebsten hätte ich mir einen Liegestuhl aufgestellt und ein paar Stündchen lang einfach nur geguckt.

Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass die ganze Kulisse bei Regen, Sturm, Nebel, Schnee doch ganz schön bedrohlich wirkt. Und ja auch bedrohlich ist. Denn so nett es hier auch wirkt – ich befürchte, aus dem Sumpf kommt man tatsächlich nicht so schnell raus.

Die lustigen weißen Puschel sind übrigens Wollgräser. Sind die nicht hübsch?

Wollgras

Moor - Wollgras und Birken

 

Bei der Gelegenheit habe ich übrigens gelernt, dass Birken, die sich im Übrigen mit als erste auf gerodeten Moorflächen aussähen, eigentlich Unkraut sind. Mal wieder unnützes Wissen angehäuft ;). Wer weiß, an welcher Stelle man das noch mal schlau daherpalavernd gebrauchen kann (außer hier ;) ).

Moor - Wollgras und Birken

 

Was ich ja (neben Moor im Nebel) ein bisschen gruselig finde, sind fleischfressende Pflanzen. Nicht nur, dass ich meine Extremitäten in Gefahr sehe – ich finde es auch äußerst unschön, mit ansehen zu müssen, wie ein Insekt genüsslich vertilgt wird. Brrrrr.

Und passend zum – Sonne bitte wegdenken und stattdessen Nebelschwaden vorstellen – unwirtlichen Ort wimmelt es im Moor auch nur so vor ebendiesen solchen. Dort, wo wir waren, gab es massenhaft rundblättrigen Sonnentau. Hübsch anzusehen, aber irgendwie schaurig. Leider hat der nette Mann vom BUND, der uns herumgeführt hat (Achtung, es sind seine Fingernägel, nicht meine), nur ein winzigkleines Exemplar aus dem Sumpf herausgeholt – zu gerne hätte ich Euch die Moooooonsterpflanze präsentiert, die ganze Kühe auf einmal verspeist…

rundblättriger Sonnentau - eine fleischfressende Pflanze

 

Tja, und zum Schluss sah ich dann noch die unschöne Seite des Moores. Keine rothaarige Moorleiche, nein. Sondern Torfabbau. Das Unternehmen, das wir besuchten, baut den Torf zwar nach eigener Aussage sehr schonend ab und kümmert sich auch um die Linderung der (selbst verursachten) negativen Folgen. Aber trotzdem: In wenigen Jahren wird hier abgebaut, was über Jahrtausende gewachsen ist. Und einmal weg ist immer weg.

Torfabbau

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Sowas kann ich gar gut haben.

Dann doch lieber trügerische Mooridylle…

trügerische Mooridylle

 

Wer weiß, vielleicht ist das Tückische am Moor ja gerade dessen Schönheit, die einen verleitet, auf eine Wiese zu treten, die in Wirklichkeit gar keine ist? Und dann: Spinnenfinger, Sumpf, Moorleiche. Ihr wisst schon…

 

Schaurige Grüße,

Kathrin

Ich ess Blumen… {Erdbeer-Holunderblüten-Konfitüre}

Neben den Holunderblütenmuffins reichte meine zarte weiße Beute noch für ein weiteres Rezept. Im Kopf hatte ich zwar noch die ausgefallensten Variationen, aber da es schnell gehen musste, entschied ich mich für babyeierleichte und hopseschnell gekochte Erdbeer-Holunder-Konfitüre.

Erdbeer-Holunder-Konfitüre

 

Wer schon einmal Marmelade/Konfitüre/Gelee/Fruchtaufstrich gekocht hat, weiß: Das ist kein Zauberwerk. Genaugenommen ist es wirklich kinderleicht. Wichtig sind nur zwei Dinge:

  1. ausschließlich gutes, reifes Obst ohne Druckstellen (und in diesem Fall auch frische, unversehrte Holunderblüten) verwenden. Je leckerer das Obst, desto leckerer die Konfitüre.
  2. nur Marmeladengläser benutzen, deren Deckel wirklich schließt. Und die Gläser vor der Benutzung auskochen. Sonst kann die Konfitüre schimmeln.

Für etwa vier bis fünf Gläser Konfitüre braucht Ihr:

  • 1 kg Erdbeeren
  • 500g Gelierzucker 2:1
  • 2 Päckchen Vanillezucker (oder natürlich echte Vanille, wenn vorhanden)
  • 1 EL Zitronensaft
  • einen Schuss Holunderblütensirup
  • ca. 5 Holunderblütendolden

Erdbeer-Holunderblüten-Konfitüre

 

Und so geht’s:

  • Die Erdbeeren waschen, das Grün abschneiden und die Erdbeeren in kleine Stücke schneiden.
  • Die Erdbeerstücke zusammen mit dem Gelierzucker und dem Vanillezucker in einen Topf geben und zugedeckt ca. 30 Minuten ziehen lassen.
  • Die Holunderblüten ausschütteln, von den Dolden zupfen (auf keinen Fall waschen!) und zunächst beiseite stellen
  • Den Zitronensaft und den Holunderblütensirup zu den Erdbeeren geben und das Gemisch unter Rühren aufkochen.
  • Wer die Konfitüre eher homogen haben möchte, püriert die Erdbeeren; wer lieber größere Stückchen hat, lässt sie so.
  • 2 Minuten lang unter Rühren sprudelnd kochen lassen.
  • Die Holunderblüten vorsichtig unterrühren und die Konfitüre eine weitere Minute lang sprudelnd kochen lassen.
  • Mit einem Löffel den Schaum von der Konfitüre schöpfen (der schmeckt nicht – ich habe ihn probiert).
  • Die Konfitüre noch heiß in die ausgekochten Gläser füllen. Die Gläser sofort zudrehen und auf den Kopf stellen (dadurch entsteht ein Vakuum). Nach etwa einer Stunde können die Gläser wieder umgedreht werden (vielleicht auch eher, aber sicher ist sicher  ;) ).
  • Auf ein frisches Brötchen streichen und… hmmmmm…

Erdbeer-Holunderblüten-Konfitüre

 

Die Konfitüre funktioniert natürlich auch ohne Holunderblüten. In dem Fall würde ich vielleicht einfach ein bisschen mehr Holunderblütensirup hinzufügen – dann hat man auch ein bisschen was von dem Holunderblütengeschmack.

 

Zuckerverklebte Grüße,

Kathrin

 

 

Auf den Busch geklopft {Holunderblütenmuffins}

Gibt es eigentlich einen Fachbegriff dafür, wenn man chronisch dazu neigt, zu viele Dinge in zu kurzer Zeit erledigen zu wollen? Das Den-Tag-zu-vollpack-Syndrom? Die Alles-machen-wolleritis? Oder ist es schlicht und einfach die gemeine Vergnügungssucht? Vielleicht kennt das ja der eine oder die andere. Es kann nahe Angehörige schier in den Wahnsinn treiben – vor allem, wenn sie so gepolt sind, dass sie immer möglichst wenige Aktivitäten planen und dabei alles auch noch mit großem Zeitpuffer. Ja, genau der Zeitpuffer, in dem die erste Kategorie Mensch noch schnell drei andere Sachen erledigen will. Wie alles im Leben hat die Alles-machen-wolleritis Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist, dass man viel mehr schafft und auch viel mehr erlebt als andere überhaupt auch nur in Erwägung ziehen. Derr Nachteil ist, dass man manchmal in arge Zeitnot kommt. Vieles auf den letzten Drücker erledigt.
So war es letztens auch bei meinem Holunderprojekt.

Holunderblüten
Ich liebe jahreszeitenspezifische Dinge (und bin da auch ziemlich kategorisch, was den richtigen Zeitpunkt betrifft. Spekulatius im September gehen zum Beispiel GAR nicht). Eier färben zu Ostern, Erdbeeren pflücken im Frühsommer, Kürbissuppe im Herbst, Weihnachtstraditionen im Advent und zur Weihnachtszeit. Die Feste feiern, wie sie fallen. Dazu gehört auch, das zu nutzen, was die Natur gerade bietet. Und dieses Jahr war ich ein wenig im Holunderblütenwahn.
Sobald die ersten zarten weißen Blüten zum Vorschein kamen, setzten sich Rezeptideen bei mir im Kopf fest. Soooo viele Dinge wollte ich aus Holunderblüten backen, kochen, abseihen, frittieren.

Holunderblütenmuffin

 

Doch irgendwie kamen dann immer andere Dinge dazwischen. Zugegebenermaßen wichtigere Dinge. Dinge, die man einfach erledigen muss. Aber auch anderer Projekte. Und so fuhr ich Tag für Tag an Dutzenden blühender Holunderbüsche vorbei, die mir leise zuriefen “Nimm ein paar Blüten mit… Soooo lecker als Holunderblütensirup für Hugo”. Aber nie hatte ich Zeit, die Blüten hinterher noch zu verarbeiten. Und mit jedem Tag sah ich mehr Blüten verwelken. Irgendwann war Eile geboten. Ein paar letzte Holunderbüsche blühten noch, also schnappte ich mir auf dem Nachhauseweg kurzerhand das Multitool, das zum Glück immer in meinem Handschuhfach liegt, hielt an einem Holundergebüsch und wollte zur Tat schreiten. Ein Blick in das nahegelegene Weizenfeld ließ mich allerdings schleunigst von meinem Vorhaben Abstand nehmen: Nur wenige Meter weiter watete ein finster blickender Mann durch das Korn, eine Kettensäge über den Kopf erhoben. Warum? Das hätte mich durchaus interessiert, aber ich wollte mein Glück nicht herausfordern. Also eine andere Stelle gesucht. Aus der Nähe doch verblühter als gedacht. Nicht lecker. Weitergefahren. Nächste Stelle. Aus der Nähe betrachtet nicht erreichbar – komisch, sah von der Straße aus viel einfacher aus. Also der letzte Versuch. Mist. Fieseste Brennesseln versperren den Weg. Frau hatte Hose an. Aber: Ha! Frau war vorbereitet. Frau hatte Hunter Boots im Kofferraum! Das pure Holunderglück.

Angesichts der doch eher beschränkten Haltbarkeit der zarten Blütchen Schnitt ich nur so viele ab, dass es für zwei ganz einfache Rezepte reichte – die restlichen Ideen musste ich schweren Herzens auf die nächste Holundersaison verschieben.
Für’s erste gab es Holunderblütenmuffins. Kinderleicht und – wie mein Freund W. sagen würde – hopseschnell gemacht.

Holunderblütenmuffin

 

Bei der Verwendung von Holunderblüten ist ganz wichtig, dass diese NICHT gewaschen werden. Sonst geht nämlich ein Großteil des Geschmacks verloren. Aus demselben Grund sollte man auch darauf achten, dass es vorher längere Zeit nicht geregnet hat. Ich weiß, das ist manchmal nicht möglich; dann nehmt am besten diejenigen Dolden, die etwas versteckter hängen. Angeblich sind die Blüten am späten Vormittag am aromatischsten – das habe ich aber noch nicht überprüft ;) .
Ach ja, und da man die Blüten ja vor der Verwendung nicht wäscht, bietet es sich an, sich solche zu suchen, die nicht gerade direkt an einer Hauptverkehrsstraße stehen.

Jetzt aber zum Rezept.

Für ca. 18 Muffins braucht Ihr:

125 ml Milch
ca. 10 Holunderblütendolden und ggf. zusätzlich einige zum Dekorieren
250g weiche Butter
250 g Zucker
2 Päckchen Vanillezucker (oder natürlich echte Vanille)
die abgeriebene Schale einer halben Orange
4 Eier
350 g Mehl
50g Speisestärke
3 El Backpulver
Zucker zum Bestreuen

Und so geht’s:

Die Milch aufkochen und vier bis fünf (je nach Größe) zerpflückte Holunderblüten damit übergießen. Mindestens zwei Stunden ziehen lassen. Gerne auch länger (umso intensiver wird der Holundergeschmack). Die Milch danach durch ein feines Sieb gießen.

Die Butter mit dem Zucker, dem Vanillezucker und der abgeriebenen Orangenschale schaumig schlagen. Die Eier einzeln unterrühren.

Das Mehl mit der Speisestärke und dem Backpulver vermengen und nach und nach unterrühren.

Die Holundermilch unter Rühren hinzufügen.

Die kleinen Blüten von den restlichen Holunderdolden pflücken und vorsichtig unter den Teig heben.

Ein Muffinblech mit Papierförmchen bestücken, den Teig einfüllen und den Teig einfüllen.

Im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad Celsius etwa 15-20 Minuten backen (eher 20 als 15 – je nach Ofen).

Die noch warmen Muffins mit Zucker bestreuen (ggf. Ein klitzekleines bisschen Butter darauf schmelzen lassen, dann klebt der Zucker besser) und nach dem Abkühlen mit Holunderblüten dekorieren.

Holunderblütenmuffin

Alternativ: Die Muffins abkühlen lassen, jeweils einen dekorativen Klecks steifgeschlagene Sahne daraufgeben und dann mit einer kleinen Holunderblüte versehen.

Die Muffins am besten noch am selbsen Tag essen – dann schmecken sie wunderbar zart nach Holunder und ansonsten süß, lecker und luftig.

 

Liebe Grüße aus dem Holunderbusch,

Kathrin

 

 

 

 

Kombiniere, kombiniere… {Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat}

“Das ist jetzt nicht Dein Ernst, oder?!”

So lautete der ungläubige Kommentar des Hausherrn, als ich verkündete, was für einen Salat es zum abendlichen Grillen geben würde. Okay, man muss vielleicht auch ein wenig berücksichtigen, dass er nicht besonders gerne Gurken isst, aber davon mal abgesehen: Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat hört sich zwar zunächst ein wenig ungewöhnlich an, aber er schmeckt wirklich grandios! Ehrlich. Indianerehrenwort.

 

Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat

 

Erdbeeren an sich sind ja schon eine der besten Speisen unter Gottes Sonne. Ich liebe Erdbeeren in sämtlichen Variationen. Pur. Mit Sahne. Mit Vanilleeis. Als Püree auf köstlichen Desserts. Aus dem Kuchen. Als Marmelade. Warum also nicht im Salat?

Die Idee, Fruchtiges mit Herzhaftem zu kombinieren, ist ja auch nicht neu – siehe Toast Hawaii ;-) .

Und auch Erdbeeren werden ja schon seit einige Jahren durchaus gerne mal mit Pfeffer und Balsamico mariniert. Hmmmmmmmm. Unglaublich lecker.

Als ich daher schon im letzten Jahr auf meinem liebsten Food-Blog, dem Kleinen Kuriositätenladen, ein Rezept für Erdbeer-Gurken-Salat, entdeckte, war ich sofort Feuer und Flamme. Leider war, als ich das Rezept fand, die Erdbeersaison schon vorbei. Aber jetzt gibt es sie ja wieder reichlich – und voila: mein Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat:

Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat

Das Rezept aus dem Kleinen Kuriositätenladen habe ich etwas abgewandelt.

Für meine Variante – die Ihr schleunigst probieren solltet! – braucht Ihr:

  • eine Salatgurke
  • 500g Erdbeeren
  • eine große Handvoll Basilikumblätter (frisch)
  • zwei EL Olivenöl
  • einen EL flüssigen Honig
  • einen EL Crema di Balsamico (ich hatten welche, die zusätzlich Erdbeersaft enthält)
  • schwarzen Pfeffer aus der Mühle
  • rosa Pfefferkörner im Ganzen

Und so geht’s:

Die Salatgurke längs halbieren und die Kerne mit einem Teelöffel entfernen. Die Hälften jeweils nochmal halbieren und dann in kleine Streifen schneiden.

Die Erdbeeren waschen, das Grün entfernen und die Erdbeeren je nach Größe halbieren oder vierteln.

Basilikum klein zupfen.

Die Salatgurke mit den Erdbeeren und dem Basilikum mischen.

Das Öl mit dem Honig und der Crema die Balsamico verrühren und über den Salat geben. Mit reichlich schwarzem Pfeffer aus der Mühle pfeffern. Rosa Pfefferkörner hinzufügen. Kurz ziehen lassen.

Genießen.

Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat

 

Der Salat passt super zu Gegrilltem, ich kann ihn mir aber auch sehr gut als leichtes Mittagessen mit einem Stück Baguette vorstellen. Hmm, gute Idee – das werde ich morgen gleich mal machen ;-) .

 

Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat

 

Auch wenn sich die Kombination vielleicht erst ungewohnt anhört – der Salat ist wirklich superlecker! Probiert das auf jeden Fall mal aus. Es lohnt sich. Und die Erdbeerzeit dauert ja noch mindestens drei Wochen – also keine Ausreden ;-) .

Erdbeer-Gurken-Basilikum-Salat

 

Erdbeerige Kombinationsgrüße,

Kathrin

 

 

mmm

Gerettet {Straßenbegleitgrün}.

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Kennt Ihr das auch – dass man sich etwas in den Kopf gesetzt hat und das dann UNBEDINGT auch GENAU SO passieren muss? Ich bin (leider) so. Leider in Klammern, weil man dadurch nicht gerade ein Ausbund an Flexibilität ist, andererseits aber auch nur in Klammern, weil man dadurch oft Ausdauer beweist, wo andere schon längst aufgegeben haben. Und dann eben doch bekommt, was man ursprünglich wollte.

Gestern war mal wieder so ein Fall – wobei ich dazu sagen muss, dass es eigentlich ein total banaler und geradezu zum an-den-Kopf-fassen egaler Fall war: Gestern hatte ich einen Termin mitten im Nichts. Was dazu führte, dass ich insgesamt drei Stunden lang mit dem Auto auf Landstraßen unterwegs war. Immerhin hatten wir allerschönstes Frühsommerwetter (auf das ich schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte) und die Landschaft war äußerst idyllisch. Während ich so Sommerlieder-vor-mich-hinsingend durch die Gegend für und die schönen Felder und Wiesen bewunderte, fiel mir auf, dass fast überall am Straßenrand die allerschönsten Margeriten wuchsen. Tausende Margeriten. Was sage ich… Millionen Margeriten. Einfach so am Straßenrand – als das, was im Beamtendeutsch “Straßenbegleitgrün” nennen. Margeriten gehören zu meinen absoluten Lieblingsblumen. Niedlich wie übergroße Gänseblümchen – und noch dazu sind sie für mich einfach der Inbegriff des beginnenden Sommers. Sie erinnern an warme Sommerabende, an duftendes Gras, an Sonne auf nackten Armen und den Geruch von Sonnenmilch… Also: Memo an mich selbst: Auf dem Heimweg auf jeden Fall und unter allen Umständen anhalten einen dicken, fetten Strauß Margeriten pflücken. Ich hatte sogar schon konkrete Pläne zum Pflücken (Kombimesser im Handschuhfach – irgendwann muss das ja endlich mal zum Einsatz kommen) und zum Bewahren der Blumen vor dem Austrocknen (Wasserflasche nicht ganz austrinken, Taschentuch mit dem Wasser tränken und drumwickeln oder hilfsweise Wasserflasche als temporäre Vase nutzen) geschmiedet.

Margeriten

 

Als ich von meinem Termin mitten im Nichts zurückfuhr, war ich also guter Dinge und hielt freudig nach den Millionen von Margeriten am Straßenrand Ausschau. Die ersten paar Kilometer fuhr ich vorbei – schließlich sollten die Blümlis ja nicht so lange im warmen Auto fahren müssen. Nachdem ich durch einen kleinen Ort gefahren war, beschloss ich, beim allernächsten größeren Margeritenvorkommen anzuhalten.

Aber dann: GEMÄHT! Alles abgemäht!!! Mein ganzes schönes Straßenbegleitgrün. Einfach weg! Ich fuhr und fuhr und konnte gar nicht mehr auf die schöne Landschaft achten. Immer nur der Scannerblick rechts und links und links und rechts: Wo sind meine Margeriten??? Erst dachte ich ja, nur die eine Gemeinde hätte gemäht. Aber nichts da. Die ganze Bundesstraße, komplett durch den Landkreis, mehrfach abgebogen, durch den nächsten Landkreis und am Ende noch am Rande einer kreisfreien Stadt. Alles ratzekahl abgemäht. Unglaublich. Es war fast, als hätte nach dem Blitzmarathon von dieser Woche nun der Mähmarathon stattgefunden.

Und da kam die negative Seite meines Planungswahns wieder durch ;-) : Ich hatte ja nunmal den Beschluss gefasst, unbedingt auf der Rückfahrt einen dicken, fetten Strauß Margeriten zu pflücken. Ich sah sie quasi schon auf dem Terrassentisch stehen. Also mussten nun auch Margeriten her. Doch da nahte (die letzte) Rettung für mein Seelenheil: Hunderte von Margeriten, die an einer fiesen Stelle, an der die normale Bundesstraße in so eine Schnellstraße übergeht (Ihr wisst schon, mit Leitplanken dazwischen, wo nur noch Autos fahren dürfen und die Leute alle ihren Fastfood-Müll aus dem Fenster schmeißen). Direkt vor Beginn der Außenleitplanke war eine kleine Parkbucht (um den Fastfood-Müll besser rauswerfen zu können?). Yippie ya yeah! Geistige Freudentänze! Plan gerettet! Quasi unter Einsatz meines Lebens (okay, ist vielleicht ein bisschen übertrieben) stieg ich aus der Beifahrerseite aus und war im Margeritenparadies. Die einzige Stelle auf anderthalb Stunden Fahrt, die vor dem Mäher verschont geblieben ist. Wahrscheinlich ist der dann heute noch mal wiedergekommen… Ordnung muss sein… Aber: Ha! Einen dicken, fetten Strauß Margeriten habe ich vor Dir gerettet, Mähmarathon-Man!

Margeriten in weißer Kanne

Hier der Beweis: Mein höchstpersönlich gerettetes Straßenbegleitgrün:

Margerite Margeriten

 

Sehr schön übrigens auch von unten:

Margeriten von unten

 

Wahnsinn, was für einen tollen blauen Himmel wir plötzlich haben! Es duftet nach Gras, Sonnenmilch und Grillkohle. Die Vögel zwitschern, meine Haut riecht nach Sonne, ich sitze mit meinen Lieblingsmenschen auf der Terrasse und bewundere meinen Margeritenstrauß.

JETZT bin ich glücklich.

Margeriten von unten

 

Liebste Grüße aus dem tiefblauen Margeritenhimmel,

Kathrin

Büüüüüü

frisch nordisch gut

 

Moin.

Na, wer möchte ein paar Krabben puhlen? Oder auch pulen – ich habe beide Schreibweisen gefunden und kann mich nicht entscheiden. Aber sind sie nicht hübsch anzusehen?

Büsumer Krabben

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich da ein bisschen zart besaitet bin. Ich kann Tiere nur dann essen, wenn man sie nicht mehr als solche erkennen kann. Also, vom Geschmack her mag ich sehr gerne Krabben, Fisch, Brathähnchen… Aber wenn die Krabbe oder der Fisch mich noch angucken und das Hähnchen zwar ohne Kopf und Federn, dafür aber noch mit Flügeln vor mir liegt (so dass ich mir einbilde, dass es gleich losflattert), dann gruselt es mich. Krabbenpuhlen wäre für mich die Höchststrafe. Aber da meine rege Phantasie auch umgekehrt funktioniert, gelingt es mir manchmal – ganz selten – auszublenden, was ich da gerade esse. Und wenn das gelingt, finde ich ein Krabbenbrötchen seeehr lecker ;-) . Furchtbar prinzipienuntreu und inkonsequent, ich weiß. Aber manchmal ganz praktisch.

Aber von vorne: Gerade kommen wir zurück von einem wunderbaren (Mittelgroß-)Familienwochenende in Nordfriesland. Gewohnt haben wir in Friedrichstadt – einer ganz süßen kleinen holländisch geprägten Ministadt mit Grachten und Treppengiebeln. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Und da wir schon mal dort waren (und Nordfriesland für uns nicht gerade direkt um die Ecke liegt), haben wir auch Husum, Büsum, Nordstrand und Sankt Peter Ording einen Besuch abgestattet. Wer noch nicht dort war: hin. Eine wunderschöne Gegend mit saftigen Wiesen, Schafen, schwarzweißen Kühen, Deichen, Windrädern und viiiiiel Meer (wenn es gerade da ist – ansonsten mit viiiiiel Watt).

Leider war das Pfingstwetter echt bescheiden. Wir haben an vier Tagen insgesamt genau fünf Minuten lang die Sonne gesehen. Und auch da konnten wir sie nur vage durch eine Wolke erahnen. Sehr schade, weil bei Sonnenschein natürlich alles gleich nochmal so schön wirkt. Aber auch so war es gut, mal rauszukommen und was anderes zu sehen.

Am Sonntag also: Büsum. Was mich dazu verleitete, den Uraltscherz meines alten Kumpels Christoph zu recyclen und mich nicht als Büsumerin, sondern als Bü-Summerin zu betätigen, indem ich fortwährend leise Büüüüüüüü summte. Haha. Guter Kindergartenscherz, was? Funktioniert übrigens auch mit Husum…

Aber ich schweife ab. Büsum hat uns überrascht. Obwohl Büsum echt klein ist (so um die 5.000 Einwohner), war dort unglaublich viel los. Nicht, dass ich mir vorher großartig Gedanken über eine Rangliste der größten Fremdenverkehrsorte an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gemacht hätte – aber ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, dass Büsum tatsächlich der drittgrößte sein könnte (nach Sankt Peter Ording und Westerland). Ich bin mir nicht sicher, ob ich dort einen ganzen Urlaub verbringen wollen würde (dafür fehlt mir erstens ein schöner Sandstrand und zweitens schien mir die Urlauber-Zielgruppe auch eher “etwas” älter zu sein), aber für einen Tagesausflug ist Büsum wirklich nett. Ein richtiger Hafenort, der sogar früher mal eine Insel war und “erst” 1585 mit dem Festland verbunden wurde.

Schiffe am Büsumer Hafen

 

Auch für die Fotos finde ich es echt schade, dass wir so trübes Wetter hatten – stellt Euch einfach blauen Himmel mit ein paar Schäfchenwolken vor…

Leuchtturm Büsum

 

Als Fischerort ist Büsum berühmt für seine Krabbenfischerei. Liegt ja auch nahe. Ich habe allerdings gehört, dass die Erträge zurückgehen – aber für’s Image dürfte es wichtig sein, den Krabbenfang zu erhalten. Absolut irrsinnig finde ich es aber, dass die Krabben, die früher direkt vor Ort von Hand gepuhlt wurden, heute größtenteils per LKW oder Schiff nach Marokko bzw. in osteuropäische Länder geschickt werden, um dann hinterher als “frisch” gepuhlt hier verkauft zu werden. Ist das nicht ein ökologischer Wahnsinn? Und mit frisch hat das ja nun auch wirklich nichts mehr zu tun. Bah. Aber immerhin gibt es mittlerweile in Büsum auch zwei Krabbenpuhlmaschinen, die die Tierchen direkt vor Ort nackig machen. Gut so, Büsum!

Aber wenn man nicht ganz so zimperlich ist wie ich, kann man auch Krabben mit Panzer kaufen und sie dann selber puhlen. Nordseefeeling garantiert!

Zum Beispiel “Dütten Steffi”:

Krabbenstand in Büsum

Die Krabben werden hier übrigens nicht gewogen, sondern mit einem großen Blechkrug literweise abgemessen:

Büsumer Krabben

Was nicht gebraucht wird, geht wieder zurück ins Meer:

Fischkutter mit Besatzung im Büsumer Hafen

 

Wenn das Wetter NOCH schlechter ist, man einfach generell keine Lust hat zu laufen oder einen der ganze Hafenkram nervt, bietet Büsum übrigens auch eine kleine Fußgängerzone mit Geschäften, die sogar Pfingstsonntag geöffnet hatten. Tat mir für die Beschäftigten ein bisschen leid, aber für uns war es ganz schön. Wenn man will, kann man sich dort auch von Kopf bis Fuß im maritimen Look einkleiden. Blauweißgestreifte Mütze, blauweißgstreifter Schal, blauweißgestreiftes Shirt. Oder vielleicht gleich ein Fischerhemd? Ich konnte mich zurückhalten und bin bei zwei Schals geblieben (bin nach Auffassung meiner Angehörigen ein kleines bisschen schalsüchtig…). Und wenn es einem in Büsum nicht mondän genug ist (denn dass ist es tatsächlich nicht), dann hat man die Möglichkeit, sich direkt am Hafen zu Gosch zu setzen und sich bei Hugo und Scampi vorzustellen, man sei auf Sylt ;-) .

Ich für meinen Teil hatte nach einer halben Stunde genug geshoppt und fand den schnuckeligen historischen Hafen von Büsum sehenswert genug…

Fischernetz im Hafen von Büsum

Historischer Hafen mit Leuchtturm in Büsum

Historischer Hafen Büsum

Pfähle am historischen Hafen Büsum

 

…ebenso wie Hunderte anderer Urlauber auch:

Menschenmenge am Büsumer Hafen

 

Aber isses nicht auch wirklich idyllisch?

 

 

Fischkutter im historischen Hafen Büsum

Fischernetz

Giebel aus rotem Backstein in Büsum

 

Historischer Hafen Büsum mit Leuchtturm

 

Sehr gut, Herr Bürgermeister ;-) :

Verkehrsschild: Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad... den anderen ist es verboten. Gemeinde Büsum - Der Bürgermeister.

 

Etwas unklar war mir allerdings die Sinnhaftigkeit der Institution einer Urlauberseelsorge in Büsum. Behandelt man die Touristen dort so schlecht, dass sie sich die ganze Ungerechtigkeit von der Seele reden müssen? Lässt man sie gar in alter Strandräubermanier auf der Wattwanderung allein zurück und manche von ihnen kommen völlig entkräftet und schwer traumatisiert nach langer, langer Irrwanderung in den Hafen Büsums zuück, um dort direkt nach dem Hinweisschild zur Urlauberseelsorge zu suchen? Büsum, ich weiß nicht recht…

Urlauberseelsorge

 

Kennt Ihr eigentlich die Idee des Büchertausches an öffentlichen Orten? Ich habe sowas in Hannover an der Marktkirche schon mal gesehen – und irgendwo anders auch (ich weiß nur nicht mehr wo). Das Prinzip funktioniert wie folgt: An einem offen zugänglichen Ort befindet sich ein Bücherschrank oder ähnliches (es soll auch Bücher-Telefonzellen geben – eine sehr süße Idee), an dem man kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten Bücher leihen, kaufen oder tauschen kann. Man kann das Ganze also entweder als Leihbücherei nutzen oder man nimmt ein Buch und gibt eine Spende in einen dafür vorgesehenen Behälter oder – und das ist eigentlich die beste Möglichkeit – man nimmt ein Buch heraus und stellt dafür ein anderes wieder hinein. Eine supertolle Idee, finde ich! Vor allem im Urlaub, wenn man seinen ganzen Lesestoff schon verbraucht und keine große Lust hat, einen Koffer voller Bücher mit nach Hause zu schleppen. Natürlich ist es immer ein bisschen Glückssache, was gerade so im Schrank vorhanden ist, aber das macht das Ganze doch irgendwie noch viel interessanter. Ich finde es toll! Ja, und in Büsum gibt es – passend zum Gesamtkonzept – natürlich nicht einfach irgendeinen Bücherschrank, sondern einen Bücherstrandkorb. Schön, nicht?

Bücherstrandkorb in Büsum

 

Zu guter Letzt wollten wir natürlich noch so richtig das Meer sehen. War aber nicht da. Nur Watt. Statt gelbem Sand, blauem Himmel und türkisfarbenem Meer diesmal nur beiges Watt an grauem Himmel. Auch schön…

Wattenmeer vor Büsum

 

Wattenmeer vor Büsum

 

Und damit verabschiede ich mich vorerst aus dem Watt. Aber: Heute ist nicht alle Tage…

 

 

Kathrin im Wattenmeer vor Büsum

Liebe Grüße aus Kathrinville, das diesmal in Büsum war,

Kathrin