Gerettet {Straßenbegleitgrün}.

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Kennt Ihr das auch – dass man sich etwas in den Kopf gesetzt hat und das dann UNBEDINGT auch GENAU SO passieren muss? Ich bin (leider) so. Leider in Klammern, weil man dadurch nicht gerade ein Ausbund an Flexibilität ist, andererseits aber auch nur in Klammern, weil man dadurch oft Ausdauer beweist, wo andere schon längst aufgegeben haben. Und dann eben doch bekommt, was man ursprünglich wollte.

Gestern war mal wieder so ein Fall – wobei ich dazu sagen muss, dass es eigentlich ein total banaler und geradezu zum an-den-Kopf-fassen egaler Fall war: Gestern hatte ich einen Termin mitten im Nichts. Was dazu führte, dass ich insgesamt drei Stunden lang mit dem Auto auf Landstraßen unterwegs war. Immerhin hatten wir allerschönstes Frühsommerwetter (auf das ich schon gar nicht mehr zu hoffen gewagt hatte) und die Landschaft war äußerst idyllisch. Während ich so Sommerlieder-vor-mich-hinsingend durch die Gegend für und die schönen Felder und Wiesen bewunderte, fiel mir auf, dass fast überall am Straßenrand die allerschönsten Margeriten wuchsen. Tausende Margeriten. Was sage ich… Millionen Margeriten. Einfach so am Straßenrand – als das, was im Beamtendeutsch „Straßenbegleitgrün“ nennen. Margeriten gehören zu meinen absoluten Lieblingsblumen. Niedlich wie übergroße Gänseblümchen – und noch dazu sind sie für mich einfach der Inbegriff des beginnenden Sommers. Sie erinnern an warme Sommerabende, an duftendes Gras, an Sonne auf nackten Armen und den Geruch von Sonnenmilch… Also: Memo an mich selbst: Auf dem Heimweg auf jeden Fall und unter allen Umständen anhalten einen dicken, fetten Strauß Margeriten pflücken. Ich hatte sogar schon konkrete Pläne zum Pflücken (Kombimesser im Handschuhfach – irgendwann muss das ja endlich mal zum Einsatz kommen) und zum Bewahren der Blumen vor dem Austrocknen (Wasserflasche nicht ganz austrinken, Taschentuch mit dem Wasser tränken und drumwickeln oder hilfsweise Wasserflasche als temporäre Vase nutzen) geschmiedet.

Margeriten

 

Als ich von meinem Termin mitten im Nichts zurückfuhr, war ich also guter Dinge und hielt freudig nach den Millionen von Margeriten am Straßenrand Ausschau. Die ersten paar Kilometer fuhr ich vorbei – schließlich sollten die Blümlis ja nicht so lange im warmen Auto fahren müssen. Nachdem ich durch einen kleinen Ort gefahren war, beschloss ich, beim allernächsten größeren Margeritenvorkommen anzuhalten.

Aber dann: GEMÄHT! Alles abgemäht!!! Mein ganzes schönes Straßenbegleitgrün. Einfach weg! Ich fuhr und fuhr und konnte gar nicht mehr auf die schöne Landschaft achten. Immer nur der Scannerblick rechts und links und links und rechts: Wo sind meine Margeriten??? Erst dachte ich ja, nur die eine Gemeinde hätte gemäht. Aber nichts da. Die ganze Bundesstraße, komplett durch den Landkreis, mehrfach abgebogen, durch den nächsten Landkreis und am Ende noch am Rande einer kreisfreien Stadt. Alles ratzekahl abgemäht. Unglaublich. Es war fast, als hätte nach dem Blitzmarathon von dieser Woche nun der Mähmarathon stattgefunden.

Und da kam die negative Seite meines Planungswahns wieder durch 😉 : Ich hatte ja nunmal den Beschluss gefasst, unbedingt auf der Rückfahrt einen dicken, fetten Strauß Margeriten zu pflücken. Ich sah sie quasi schon auf dem Terrassentisch stehen. Also mussten nun auch Margeriten her. Doch da nahte (die letzte) Rettung für mein Seelenheil: Hunderte von Margeriten, die an einer fiesen Stelle, an der die normale Bundesstraße in so eine Schnellstraße übergeht (Ihr wisst schon, mit Leitplanken dazwischen, wo nur noch Autos fahren dürfen und die Leute alle ihren Fastfood-Müll aus dem Fenster schmeißen). Direkt vor Beginn der Außenleitplanke war eine kleine Parkbucht (um den Fastfood-Müll besser rauswerfen zu können?). Yippie ya yeah! Geistige Freudentänze! Plan gerettet! Quasi unter Einsatz meines Lebens (okay, ist vielleicht ein bisschen übertrieben) stieg ich aus der Beifahrerseite aus und war im Margeritenparadies. Die einzige Stelle auf anderthalb Stunden Fahrt, die vor dem Mäher verschont geblieben ist. Wahrscheinlich ist der dann heute noch mal wiedergekommen… Ordnung muss sein… Aber: Ha! Einen dicken, fetten Strauß Margeriten habe ich vor Dir gerettet, Mähmarathon-Man!

Margeriten in weißer Kanne

Hier der Beweis: Mein höchstpersönlich gerettetes Straßenbegleitgrün:

Margerite Margeriten

 

Sehr schön übrigens auch von unten:

Margeriten von unten

 

Wahnsinn, was für einen tollen blauen Himmel wir plötzlich haben! Es duftet nach Gras, Sonnenmilch und Grillkohle. Die Vögel zwitschern, meine Haut riecht nach Sonne, ich sitze mit meinen Lieblingsmenschen auf der Terrasse und bewundere meinen Margeritenstrauß.

JETZT bin ich glücklich.

Margeriten von unten

 

Liebste Grüße aus dem tiefblauen Margeritenhimmel,

Kathrin

2 Gedanken zu „Gerettet {Straßenbegleitgrün}.

  1. Annemarie

    Ach, liebe Kathrin, das ist einfach zu lustig. Gerade gestern habe ich marathonmässig an Dich gedacht, als wir unser Auto unter dem Wasserturm parkten und bei der Einfahrt fast den Hinweis überlesen hätten, dass eine Ausfahrt wegen des Dämmermarathons nur bis 16 Uhr möglich sei. Unglaublich! Nun ist es schon zwei Jahre her, seit wir am Neckarstrand (jetzt aktuell überflutet) sassen, über die Alte Brücke gingen und bei uns auf der Terrasse Häppchen verspeisten. Wie die Zeit rennt! Sieht man nicht an Margeriten, sondern eher an Raupen, die immer grösser werden 😉 Einen lieben Gruss aus Ladenburg, Annemarie

    Antworten
    1. Kathrin Beitragsautor

      Oh, Annemarie! Da freue ich mich aber sehr, dass Du a) an mich gedacht hast und dann auch noch b) mir das hier schreibst!
      Das ist echt kaum zu glauben, dass es schon ZWEI Jahre her ist. Wird absolut höchste Zeit, dass wir uns mal wieder sehen!

      Ganz liebe Grüße,
      Kathrin

      Antworten

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