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Im Moor {vom Knaben keine Spur}.

Moor. Meine bisherigen Assoziationen damit waren eher gruseliger Natur. Ohne nähere Kenntnisse (ich war bislang noch nie im Moor) lief mir beim Wort Moor immer ein leichter Schauer über den Rücken. Nebelschwaden, die über eine sumpfige Ebene wabern. Wege, die man kaum erkennt – aber nur ein falscher Schritt, und versinkt man im Morast und kann sich nie wieder herausziehen (es sei denn, man heißt Münchhausen). Menschen, die auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Rothaarige Moorleichen, die 3000 Jahre alt sind. Die Moorsoldaten. Und natürlich „Der Knabe im Moor“ von Anette von Droste-Hülshoff:

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

(…)

Und besonders schön schaurig:

Da birst das Moor, ein Seufzer geht
Hervor aus der klaffenden Höhle;
Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
„Ho, ho, meine arme Seele!“
Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
Wär nicht Schutzengel in seiner Näh,
Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
Ein Gräber im Moorgeschwele.

Tja. Und dann war ich neulich erstmalig in meinem Leben tatsächlich im Moor. Meine Hunter Boots im Gepäck. Und das Multitool griffbereit, um etwaige Angriffe etwaiger untoter Moorleichen mit grünlichen, spinnenbeinartigen Fingern abzuwehren.

Und was war? Nix war. Strahlender Sonnenschein. Idylle pur.

weites Land im Dipholzer Moor

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So wirkte es wenigstens auf den ersten Blick. Wenn man genauer hinsah, konnte man erahnen, dass der Boden doch nicht die sanfte grüne Wiese war, die man vermutete:

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Und wenn man sich in die andere Richtung drehte, sah es trotz des strahlenden Sonnenscheins auch schon ein wenig finsterer aus.

Diepholzer Moorniederung

 

Und irgendwie fand ich es auch unglaublich, dass mitten im Land so viel Land ist… Also, wir befanden uns mitten in Niedersachsen, da sollte man doch meinen, dass da in Sichtweite irgendwo immer menschliche Behausungen sind. Immerhin gab es Windräder als Zeichen der Zivilisation (die sieht man aber auch nur, weil ich das Foto von einem Aussichtsturm mit dem Teleobjektiv aufgenommen habe).

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Irgendwie war mir aber immer noch nicht richtig schaurig zumute.

Das änderte sich auch nicht, als wir an eine andere Stelle fuhren, an der von der von Bodelschwinghschen Stiftung Bethel eine Rinderzucht betrieben wird.

Moor in Freistatt

 

Wenn ein Rind dort nicht versinkt, wird doch auch kein Knabe versinken, oder?

Aber wer weiß, vielleicht waren die Rinder ja auch nur eine Fata Morgana? Aus der Nähe gesehen habe ich sie jedenfalls nicht…

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schiefer Turm im Moor in Freistatt

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Aber dann. Zwar immer noch kein Nebel in Sicht. Dafür aber Sumpf. Quasi die Everglades von Niedersachsen.

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Fehlte nur noch ein klitzekleiner Alligator.

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Ich bin mir sicher, dass der (also der Alligator) hinter der einen Birke da hinten links lauerte.

Aus Angst schickte er nur seinen Kollegen vor. Der Feigling.

Frosch im Sumpf

 

Idyllisch war es aber trotzdem. Besonders das zweite Bild aus dem Sumpf mag ich sehr. Und in natura sah es noch viel schöner aus. Am liebsten hätte ich mir einen Liegestuhl aufgestellt und ein paar Stündchen lang einfach nur geguckt.

Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass die ganze Kulisse bei Regen, Sturm, Nebel, Schnee doch ganz schön bedrohlich wirkt. Und ja auch bedrohlich ist. Denn so nett es hier auch wirkt – ich befürchte, aus dem Sumpf kommt man tatsächlich nicht so schnell raus.

Die lustigen weißen Puschel sind übrigens Wollgräser. Sind die nicht hübsch?

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Bei der Gelegenheit habe ich übrigens gelernt, dass Birken, die sich im Übrigen mit als erste auf gerodeten Moorflächen aussähen, eigentlich Unkraut sind. Mal wieder unnützes Wissen angehäuft ;). Wer weiß, an welcher Stelle man das noch mal schlau daherpalavernd gebrauchen kann (außer hier 😉 ).

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Was ich ja (neben Moor im Nebel) ein bisschen gruselig finde, sind fleischfressende Pflanzen. Nicht nur, dass ich meine Extremitäten in Gefahr sehe – ich finde es auch äußerst unschön, mit ansehen zu müssen, wie ein Insekt genüsslich vertilgt wird. Brrrrr.

Und passend zum – Sonne bitte wegdenken und stattdessen Nebelschwaden vorstellen – unwirtlichen Ort wimmelt es im Moor auch nur so vor ebendiesen solchen. Dort, wo wir waren, gab es massenhaft rundblättrigen Sonnentau. Hübsch anzusehen, aber irgendwie schaurig. Leider hat der nette Mann vom BUND, der uns herumgeführt hat (Achtung, es sind seine Fingernägel, nicht meine), nur ein winzigkleines Exemplar aus dem Sumpf herausgeholt – zu gerne hätte ich Euch die Moooooonsterpflanze präsentiert, die ganze Kühe auf einmal verspeist…

rundblättriger Sonnentau - eine fleischfressende Pflanze

 

Tja, und zum Schluss sah ich dann noch die unschöne Seite des Moores. Keine rothaarige Moorleiche, nein. Sondern Torfabbau. Das Unternehmen, das wir besuchten, baut den Torf zwar nach eigener Aussage sehr schonend ab und kümmert sich auch um die Linderung der (selbst verursachten) negativen Folgen. Aber trotzdem: In wenigen Jahren wird hier abgebaut, was über Jahrtausende gewachsen ist. Und einmal weg ist immer weg.

Torfabbau

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Sowas kann ich gar gut haben.

Dann doch lieber trügerische Mooridylle…

trügerische Mooridylle

 

Wer weiß, vielleicht ist das Tückische am Moor ja gerade dessen Schönheit, die einen verleitet, auf eine Wiese zu treten, die in Wirklichkeit gar keine ist? Und dann: Spinnenfinger, Sumpf, Moorleiche. Ihr wisst schon…

 

Schaurige Grüße,

Kathrin

Büüüüüü

frisch nordisch gut

 

Moin.

Na, wer möchte ein paar Krabben puhlen? Oder auch pulen – ich habe beide Schreibweisen gefunden und kann mich nicht entscheiden. Aber sind sie nicht hübsch anzusehen?

Büsumer Krabben

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich da ein bisschen zart besaitet bin. Ich kann Tiere nur dann essen, wenn man sie nicht mehr als solche erkennen kann. Also, vom Geschmack her mag ich sehr gerne Krabben, Fisch, Brathähnchen… Aber wenn die Krabbe oder der Fisch mich noch angucken und das Hähnchen zwar ohne Kopf und Federn, dafür aber noch mit Flügeln vor mir liegt (so dass ich mir einbilde, dass es gleich losflattert), dann gruselt es mich. Krabbenpuhlen wäre für mich die Höchststrafe. Aber da meine rege Phantasie auch umgekehrt funktioniert, gelingt es mir manchmal – ganz selten – auszublenden, was ich da gerade esse. Und wenn das gelingt, finde ich ein Krabbenbrötchen seeehr lecker 😉 . Furchtbar prinzipienuntreu und inkonsequent, ich weiß. Aber manchmal ganz praktisch.

Aber von vorne: Gerade kommen wir zurück von einem wunderbaren (Mittelgroß-)Familienwochenende in Nordfriesland. Gewohnt haben wir in Friedrichstadt – einer ganz süßen kleinen holländisch geprägten Ministadt mit Grachten und Treppengiebeln. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Und da wir schon mal dort waren (und Nordfriesland für uns nicht gerade direkt um die Ecke liegt), haben wir auch Husum, Büsum, Nordstrand und Sankt Peter Ording einen Besuch abgestattet. Wer noch nicht dort war: hin. Eine wunderschöne Gegend mit saftigen Wiesen, Schafen, schwarzweißen Kühen, Deichen, Windrädern und viiiiiel Meer (wenn es gerade da ist – ansonsten mit viiiiiel Watt).

Leider war das Pfingstwetter echt bescheiden. Wir haben an vier Tagen insgesamt genau fünf Minuten lang die Sonne gesehen. Und auch da konnten wir sie nur vage durch eine Wolke erahnen. Sehr schade, weil bei Sonnenschein natürlich alles gleich nochmal so schön wirkt. Aber auch so war es gut, mal rauszukommen und was anderes zu sehen.

Am Sonntag also: Büsum. Was mich dazu verleitete, den Uraltscherz meines alten Kumpels Christoph zu recyclen und mich nicht als Büsumerin, sondern als Bü-Summerin zu betätigen, indem ich fortwährend leise Büüüüüüüü summte. Haha. Guter Kindergartenscherz, was? Funktioniert übrigens auch mit Husum…

Aber ich schweife ab. Büsum hat uns überrascht. Obwohl Büsum echt klein ist (so um die 5.000 Einwohner), war dort unglaublich viel los. Nicht, dass ich mir vorher großartig Gedanken über eine Rangliste der größten Fremdenverkehrsorte an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gemacht hätte – aber ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, dass Büsum tatsächlich der drittgrößte sein könnte (nach Sankt Peter Ording und Westerland). Ich bin mir nicht sicher, ob ich dort einen ganzen Urlaub verbringen wollen würde (dafür fehlt mir erstens ein schöner Sandstrand und zweitens schien mir die Urlauber-Zielgruppe auch eher „etwas“ älter zu sein), aber für einen Tagesausflug ist Büsum wirklich nett. Ein richtiger Hafenort, der sogar früher mal eine Insel war und „erst“ 1585 mit dem Festland verbunden wurde.

Schiffe am Büsumer Hafen

 

Auch für die Fotos finde ich es echt schade, dass wir so trübes Wetter hatten – stellt Euch einfach blauen Himmel mit ein paar Schäfchenwolken vor…

Leuchtturm Büsum

 

Als Fischerort ist Büsum berühmt für seine Krabbenfischerei. Liegt ja auch nahe. Ich habe allerdings gehört, dass die Erträge zurückgehen – aber für’s Image dürfte es wichtig sein, den Krabbenfang zu erhalten. Absolut irrsinnig finde ich es aber, dass die Krabben, die früher direkt vor Ort von Hand gepuhlt wurden, heute größtenteils per LKW oder Schiff nach Marokko bzw. in osteuropäische Länder geschickt werden, um dann hinterher als „frisch“ gepuhlt hier verkauft zu werden. Ist das nicht ein ökologischer Wahnsinn? Und mit frisch hat das ja nun auch wirklich nichts mehr zu tun. Bah. Aber immerhin gibt es mittlerweile in Büsum auch zwei Krabbenpuhlmaschinen, die die Tierchen direkt vor Ort nackig machen. Gut so, Büsum!

Aber wenn man nicht ganz so zimperlich ist wie ich, kann man auch Krabben mit Panzer kaufen und sie dann selber puhlen. Nordseefeeling garantiert!

Zum Beispiel „Dütten Steffi“:

Krabbenstand in Büsum

Die Krabben werden hier übrigens nicht gewogen, sondern mit einem großen Blechkrug literweise abgemessen:

Büsumer Krabben

Was nicht gebraucht wird, geht wieder zurück ins Meer:

Fischkutter mit Besatzung im Büsumer Hafen

 

Wenn das Wetter NOCH schlechter ist, man einfach generell keine Lust hat zu laufen oder einen der ganze Hafenkram nervt, bietet Büsum übrigens auch eine kleine Fußgängerzone mit Geschäften, die sogar Pfingstsonntag geöffnet hatten. Tat mir für die Beschäftigten ein bisschen leid, aber für uns war es ganz schön. Wenn man will, kann man sich dort auch von Kopf bis Fuß im maritimen Look einkleiden. Blauweißgestreifte Mütze, blauweißgstreifter Schal, blauweißgestreiftes Shirt. Oder vielleicht gleich ein Fischerhemd? Ich konnte mich zurückhalten und bin bei zwei Schals geblieben (bin nach Auffassung meiner Angehörigen ein kleines bisschen schalsüchtig…). Und wenn es einem in Büsum nicht mondän genug ist (denn dass ist es tatsächlich nicht), dann hat man die Möglichkeit, sich direkt am Hafen zu Gosch zu setzen und sich bei Hugo und Scampi vorzustellen, man sei auf Sylt 😉 .

Ich für meinen Teil hatte nach einer halben Stunde genug geshoppt und fand den schnuckeligen historischen Hafen von Büsum sehenswert genug…

Fischernetz im Hafen von Büsum

Historischer Hafen mit Leuchtturm in Büsum

Historischer Hafen Büsum

Pfähle am historischen Hafen Büsum

 

…ebenso wie Hunderte anderer Urlauber auch:

Menschenmenge am Büsumer Hafen

 

Aber isses nicht auch wirklich idyllisch?

 

 

Fischkutter im historischen Hafen Büsum

Fischernetz

Giebel aus rotem Backstein in Büsum

 

Historischer Hafen Büsum mit Leuchtturm

 

Sehr gut, Herr Bürgermeister 😉 :

Verkehrsschild: Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad... den anderen ist es verboten. Gemeinde Büsum - Der Bürgermeister.

 

Etwas unklar war mir allerdings die Sinnhaftigkeit der Institution einer Urlauberseelsorge in Büsum. Behandelt man die Touristen dort so schlecht, dass sie sich die ganze Ungerechtigkeit von der Seele reden müssen? Lässt man sie gar in alter Strandräubermanier auf der Wattwanderung allein zurück und manche von ihnen kommen völlig entkräftet und schwer traumatisiert nach langer, langer Irrwanderung in den Hafen Büsums zuück, um dort direkt nach dem Hinweisschild zur Urlauberseelsorge zu suchen? Büsum, ich weiß nicht recht…

Urlauberseelsorge

 

Kennt Ihr eigentlich die Idee des Büchertausches an öffentlichen Orten? Ich habe sowas in Hannover an der Marktkirche schon mal gesehen – und irgendwo anders auch (ich weiß nur nicht mehr wo). Das Prinzip funktioniert wie folgt: An einem offen zugänglichen Ort befindet sich ein Bücherschrank oder ähnliches (es soll auch Bücher-Telefonzellen geben – eine sehr süße Idee), an dem man kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten Bücher leihen, kaufen oder tauschen kann. Man kann das Ganze also entweder als Leihbücherei nutzen oder man nimmt ein Buch und gibt eine Spende in einen dafür vorgesehenen Behälter oder – und das ist eigentlich die beste Möglichkeit – man nimmt ein Buch heraus und stellt dafür ein anderes wieder hinein. Eine supertolle Idee, finde ich! Vor allem im Urlaub, wenn man seinen ganzen Lesestoff schon verbraucht und keine große Lust hat, einen Koffer voller Bücher mit nach Hause zu schleppen. Natürlich ist es immer ein bisschen Glückssache, was gerade so im Schrank vorhanden ist, aber das macht das Ganze doch irgendwie noch viel interessanter. Ich finde es toll! Ja, und in Büsum gibt es – passend zum Gesamtkonzept – natürlich nicht einfach irgendeinen Bücherschrank, sondern einen Bücherstrandkorb. Schön, nicht?

Bücherstrandkorb in Büsum

 

Zu guter Letzt wollten wir natürlich noch so richtig das Meer sehen. War aber nicht da. Nur Watt. Statt gelbem Sand, blauem Himmel und türkisfarbenem Meer diesmal nur beiges Watt an grauem Himmel. Auch schön…

Wattenmeer vor Büsum

 

Wattenmeer vor Büsum

 

Und damit verabschiede ich mich vorerst aus dem Watt. Aber: Heute ist nicht alle Tage…

 

 

Kathrin im Wattenmeer vor Büsum

Liebe Grüße aus Kathrinville, das diesmal in Büsum war,

Kathrin

color me happy #2: firebrick red

Nachdem ich den Januar aus Zeitmangel leider verpasst habe, will ich jetzt schnell auf den allerletzten Drücker noch bei Bines und Andreas Photochallenge „color me happy“ mitmachen. Das Thema für den Monat Februar lautet: firebrick red.

Firebricks hatte ich zwar so gar keine auf meiner Festplatte, aber red ziemlich viel. So viel, dass ich mich kaum entscheiden konnte und gleich noch mal losgezogen bin, um draußen was tolles Rotes zu finden. Um mich dann doch noch mal umzuentscheiden und doch ein bereits vorhandenes (man könnte thematisch passend auch sagen, ein bereits vorher geschossenes, haha) Bild zu nehmen… Also, ich präsentiere Euch feierlich einen (zumindest teilweise) feuerrotes Feuerwaffen-Verbotsschild:

Atatürk-Stadion

 

Gefunden am Atatürk-Fußballstadion in Antalya. Harte Sitten dort. Keine Messer und keine Böller mitnehmen zum Fußballgucken. Nicht mal Pistolen darf man. Alles verboten, was Spaß macht. Schweinerei ist das.

Atatürk-Stadion Pistole

 

Und weil’s von der Farbe her so schön passt, gibt es als Draufgabe den Namensgeber des Stadions:

Atatürk

 

Na, war doch ein bisschen

2-feb-firebrickred

oder?

Das Motto des nächsten Monats heißt. powerful violet. Meine Lieblingsfarbe! Ich freu mich drauf.

Wer alle Beiträge sehen möchte, findet sie übrigens hier bei waseigenes.

 

Feuerrote Grüße,

Kathrin

 

 

 

Winter in WHV

WHV? Ihr kennt nur WSV? Aber den gibt’s auch nicht mehr, seit es überall nur noch „Sale“ gibt, und das auch noch unabhängig von der Jahreszeit? Nein, auch wenn mich gerade sanfte Shopping-Gelüste packe – wir waren nicht im Winterschlussverkauf, sondern in Wilhelmshaven. Viel Meer und eine steife Brise.

Zugegeben, Wilhelmshaven ist nicht die schönste aller Küstenstädte. Wenn man es genau nimmt, ist Wilhelmshaven vielerorts sogar eher unschön. Keine alte Stadt, sondern vor weniger als 150 Jahren als deutscher Kriegshafen gegründet, daher keine Altstadt, zu wenige Jobs und zu viele Leerstände, zu viele junge Leute ziehen weg. So viel zum unschönen Teil. ABER: Wilhelmshaven liegt am Meer. Und ich liiiiiiiiiiiieeeeeebe das Meer. UND: Wilhelmshaven hat meinen Herrn Wunderbar hervorgebracht. Wenn das nichts ist! Man kann es auch positiv sehen: In Wilhelmshaven gibt es viel Potential. Vieles ist ausbaufähig, es besteht viel Luft nach oben. Der Südstrand zum Beispiel, der nicht aus Sand besteht, sondern aus Rasen und einer betonierten Promenade. Liebe Wilhelmshavenerinnen und Wilhelmshavener! Tut was! Ihr habt das Meer, das ist toll. Aber wer will denn auf Rasen und Beton sitzen? Ihr doch auch nicht, oder? Eben.

Trotzdem: Schön war’s wieder mal. Sich ordentlich durchpusten und den Kopf freiwehen zu lassen.

Wilhelmshaven

Nordsee vor Wilhelmshaven

Nordsee vor Wilhelmshaven

Portrait Kathrin in WilhelmshavenSonnenuntergang in Wilhelmshaven

 

Worauf die Wilhelmshavener derzeit wirklich stolz sein können, ist die frisch restaurierte Kaiser-Wilhelm-Brücke:

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

WHV Kaiser-Wilhelm-Brücke

Marineschiff

Wilhelmshaven Strandkörbe

Wilhelmshaven Deichschutzbereich

Wilhelmshaven

Möwe

Harle Kurier

 

Auch sehr schön… Gut, dass auf dem Schild ein klitzekleiner Pfeil nach oben ist 😉 :

Schild Fischbrötchen am Südstrand von Wilhelmshaven

 

Backside Wilhelmshaven – ich habe in der Zeitschrift „The Simple Things“, Ausgabe 01, von sogenannten Ghost Signs gelesen, von alten verblassten Werbungen, die direkt auf die Mauern eines Hauses gemalt wurden, und war ganz fasziniert, selbst auch sowas zu finden. Verfall und Renovierungsstau haben doch manchmal auch ihre guten Seiten…

Backside Wilhelmshaven

 

Und ein bisschen maroder Charme an der maritimen Meile:

Wilhelmshaven Schiff

Wilhelmshaven Schiff

WHV Bootshaus

 

Hach, ich mag das irgendwie. Auch wenn’s gammelt und nach Brackwasser riecht…

Wilhelmshaven – wir sehen uns!

Kleine Raupe auf großer Fahrt

Jaaaa, wir sind im Urlaub!!! Endlich. Und die Raupe ist zum ersten Mal geflogen.
Eigentlich wollte ich erst im Nachhinein davon berichten, wenn wir wieder zu Hause sind, aber der modernen Technik sei Dank gibt es jetzt schon mal eine kleine Zwischenmeldung. Genaugenommen sind wir nämlich schon seit dem 06.11. hier. Hat gar keiner gemerkt, weil ich ständig online bin, was? Gut funktionierendes WLAN ist Gold wert 😉 .

In diesem Zusammenhang ein lieber Gruß an alle potentiellen Einbrecher: Es lohnt sich nicht. Sämtliche interessanten elektronischen Geräte sind entweder hier oder anderweitig in Sicherheit, ansonsten haben wir nichts Stehlenswertes im Haus und darüber hinaus sind die lieben Nachbarn überaus wachsam. Also tut Euch und uns den Gefallen und bleibt zu Hause. Oder geht in die Spielothek. Oder was Ihr sonst halt immer so tut, wenn Ihr gerade nicht einbrecht und keine Tankstelle überfallt. Okay? Okay, dann hätten wir das also auch geklärt.

Wo war ich? Ach ja, Urlaub. Urlaub!
Berufsbedingt konnte Herr Wunderbar in diesem Jahr erst im November richtig Urlaub nehmen, und da wir außer ein paar klitzekleinen (aber wunderschönen!) Tagen auf Norderney und einem Wochenende in Wilhelmshaven (das war aber Verwandschaftsbesuch und demnach kein richtiger Urlaub) noch nicht wirklich weg waren, hatten wir jetzt dringend etwas nachzuholen. Wir sind beide (ich allerdings noch mehr als er) überaus reiselustig und brauchen regelmäßig unsere kleinen Fluchten. Dabei muss es nicht mal weit weg sein und auch nicht unbedingt spektakulär (wobei beides natürlich auch nicht schadet) – einfach mal ein paar Tage raus aus dem Alltag, um die Akkus wieder aufzufüllen. Und in diesem Jahr besonders, weil wir nicht nur durch die Raupengeburt, sondern auch beruflich und anderweitig ein recht anstrengendes Jahr hinter uns haben. Und so kommt es, dass wir nun noch einmal Sonne tanken dürfen. Richtige Sonne, richtiges Sommerfeeling, und das mitten im November, wenn bei uns in Deutschland alle Welt nicht nur auf Herbst, sondern beinahe schon auf Advent eingestellt ist. Ein fast unwirkliches Gefühl.

Über den Wolken

Unsere unternehmungslustige kleine Raupe hat ja in ihren noch kurzen Leben schon einiges erlebt, schon viele Tagesausflüge mitgemacht, war bereits zweimal im Ausland (zum Shoppen in Holland 😉 ), wurde von Franz Müntefering und Doris Schröder-Köpf bestaunt und hat mit den Füßen in der Nordsee gebadet. Und obwohl sie sich bei alldem als überaus unkompliziert erwiesen hat, hatten wir zunächst ein paar Bedenken, ob wir ihr auch einen Flug zumuten können. Und: Ob wir unseren Mitreisenden das zumuten können. Schließlich hat jeder Bilder im Kopf von vollbesetzten Maschinen mit schreienden Babies und empört kopfschüttelnden Mitreisenden: „Tse tse. Muss das denn sein? Die tun doch dem Baby wirklich keinen Gefallen damit. Da hat doch keiner was davon…“
Aber nach mehreren Berichten von tadellos flugreisenden Babies im Bekanntenkreis und im Hinblick auf unsere lustige Reiseraupe haben wir es dann doch einfach mal gewagt. Und siehe da: Es war absolut unproblematisch.

Kathrin und die Raupe im Flugzeug

Da sie ja noch zu klein ist um zu kapieren, damit man für den Druckausgleich schlucken muss, durfte die Raupe beim Start und bei der Landung trinken – und hatte so offenbar gar keine Probleme. Ein wenig Mini-Geknötter gab es lediglich, als der Pilot eine Linkskurve ein bisschen zu schräg nahm, aber das war auch ganz schnell wieder vorbei und vergessen. Also alles gut.
Ein bisschen Sorge hatte ich wegen der Klimaanlage – die ist ja auf Flügen meistens auf Kühlschranktemperatur eingestellt, daher hatten wir uns alle dick eingepackt. Alles unbegründet: Es war bullenheiß, so dass wir die Raupe bis auf den Body ausziehen mussten (deswegen sehe ich auf dem Foto oben auch so fertig aus. Also, wegen der Hitze, meine ich).

Die Raupe im Flugzeug

Generell war für Raupi die Raupe an diesem Tag der Tag der Premieren. Sie durfte nämlich nicht nur zum ersten Mal fliegen (nebenbei bemerkt übrigens mit eigenem Reisepass samt biometriefähigem Foto), sondern auch zum ersten Mal vorwärts Kinderwagenfahren (wir haben einen neuen Buggy dabei) und zum ersten Mal vorwärts Autofahren (naja, eigentlich Busfahren) – und das im Ausland (wir konnten keine Babyschale mitnehmen) und dabei aus dem Fenster gucken. Das war aufregend! Aber so eine wahre Reiseraupe, die bleibt auch bei so vielen neuen Eindrücken gelassen. Ihr war wirklich GAR NICHTS anzumerken – und wir sind heilfroh, dass wir uns für diese Reise entschieden haben.

Denn: Es ist das Paradies. Zwar handelt es sich vom Reiseland her um ein wahrlich unspektakuläres Ziel, aaaaber: Hier ist Sonne! Hier ist Sommer! Ich war im Meer! Das Hotel ist der reine Wahnsinn! Das Essen ist zum Niederknien! Und erst das Nachspeisenbuffet!!! Macarons! Jeden Tag Macarons!
Und solche Köstlichkeiten:

Schokoladenküchlein

Ich zeige Euch in den nächsten Tagen auf jeden Fall noch mehr, aber bei einigen Fotos muss ich zu Hause erst den Farbstich entfernen, weil ich sie hier bei Kunstlicht fotografiert habe und sie jetzt alle etwas rotgelblich sind.

Um Euch ein bisschen zu verwirren, zeige ich Euch jetzt mal den Blick von unserem Balkon ins Landesinnere. Wir haben seitlichen Meerblick und das hier ist zur anderen Landseite. Ich finde ehrlich gesagt, es sieht aus wie Japan oder so (nicht, dass ich jemals in Japan gewesen wäre, aber so stelle ich es mir da vor 🙂 ):

Berge

Na, was denkt Ihr, wo wir sind?
Einige Hinweise habe ich Euch ja oben schon gegeben…

In Kürze habe ich auch noch viele weitaus landestypischere Bilder für Euch.

Bis dahin schicke ich Euch sonnige Grüße,
Eure Kathrin