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Büüüüüü

frisch nordisch gut

 

Moin.

Na, wer möchte ein paar Krabben puhlen? Oder auch pulen – ich habe beide Schreibweisen gefunden und kann mich nicht entscheiden. Aber sind sie nicht hübsch anzusehen?

Büsumer Krabben

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich da ein bisschen zart besaitet bin. Ich kann Tiere nur dann essen, wenn man sie nicht mehr als solche erkennen kann. Also, vom Geschmack her mag ich sehr gerne Krabben, Fisch, Brathähnchen… Aber wenn die Krabbe oder der Fisch mich noch angucken und das Hähnchen zwar ohne Kopf und Federn, dafür aber noch mit Flügeln vor mir liegt (so dass ich mir einbilde, dass es gleich losflattert), dann gruselt es mich. Krabbenpuhlen wäre für mich die Höchststrafe. Aber da meine rege Phantasie auch umgekehrt funktioniert, gelingt es mir manchmal – ganz selten – auszublenden, was ich da gerade esse. Und wenn das gelingt, finde ich ein Krabbenbrötchen seeehr lecker 😉 . Furchtbar prinzipienuntreu und inkonsequent, ich weiß. Aber manchmal ganz praktisch.

Aber von vorne: Gerade kommen wir zurück von einem wunderbaren (Mittelgroß-)Familienwochenende in Nordfriesland. Gewohnt haben wir in Friedrichstadt – einer ganz süßen kleinen holländisch geprägten Ministadt mit Grachten und Treppengiebeln. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Und da wir schon mal dort waren (und Nordfriesland für uns nicht gerade direkt um die Ecke liegt), haben wir auch Husum, Büsum, Nordstrand und Sankt Peter Ording einen Besuch abgestattet. Wer noch nicht dort war: hin. Eine wunderschöne Gegend mit saftigen Wiesen, Schafen, schwarzweißen Kühen, Deichen, Windrädern und viiiiiel Meer (wenn es gerade da ist – ansonsten mit viiiiiel Watt).

Leider war das Pfingstwetter echt bescheiden. Wir haben an vier Tagen insgesamt genau fünf Minuten lang die Sonne gesehen. Und auch da konnten wir sie nur vage durch eine Wolke erahnen. Sehr schade, weil bei Sonnenschein natürlich alles gleich nochmal so schön wirkt. Aber auch so war es gut, mal rauszukommen und was anderes zu sehen.

Am Sonntag also: Büsum. Was mich dazu verleitete, den Uraltscherz meines alten Kumpels Christoph zu recyclen und mich nicht als Büsumerin, sondern als Bü-Summerin zu betätigen, indem ich fortwährend leise Büüüüüüüü summte. Haha. Guter Kindergartenscherz, was? Funktioniert übrigens auch mit Husum…

Aber ich schweife ab. Büsum hat uns überrascht. Obwohl Büsum echt klein ist (so um die 5.000 Einwohner), war dort unglaublich viel los. Nicht, dass ich mir vorher großartig Gedanken über eine Rangliste der größten Fremdenverkehrsorte an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste gemacht hätte – aber ich wäre jedenfalls nicht darauf gekommen, dass Büsum tatsächlich der drittgrößte sein könnte (nach Sankt Peter Ording und Westerland). Ich bin mir nicht sicher, ob ich dort einen ganzen Urlaub verbringen wollen würde (dafür fehlt mir erstens ein schöner Sandstrand und zweitens schien mir die Urlauber-Zielgruppe auch eher „etwas“ älter zu sein), aber für einen Tagesausflug ist Büsum wirklich nett. Ein richtiger Hafenort, der sogar früher mal eine Insel war und „erst“ 1585 mit dem Festland verbunden wurde.

Schiffe am Büsumer Hafen

 

Auch für die Fotos finde ich es echt schade, dass wir so trübes Wetter hatten – stellt Euch einfach blauen Himmel mit ein paar Schäfchenwolken vor…

Leuchtturm Büsum

 

Als Fischerort ist Büsum berühmt für seine Krabbenfischerei. Liegt ja auch nahe. Ich habe allerdings gehört, dass die Erträge zurückgehen – aber für’s Image dürfte es wichtig sein, den Krabbenfang zu erhalten. Absolut irrsinnig finde ich es aber, dass die Krabben, die früher direkt vor Ort von Hand gepuhlt wurden, heute größtenteils per LKW oder Schiff nach Marokko bzw. in osteuropäische Länder geschickt werden, um dann hinterher als „frisch“ gepuhlt hier verkauft zu werden. Ist das nicht ein ökologischer Wahnsinn? Und mit frisch hat das ja nun auch wirklich nichts mehr zu tun. Bah. Aber immerhin gibt es mittlerweile in Büsum auch zwei Krabbenpuhlmaschinen, die die Tierchen direkt vor Ort nackig machen. Gut so, Büsum!

Aber wenn man nicht ganz so zimperlich ist wie ich, kann man auch Krabben mit Panzer kaufen und sie dann selber puhlen. Nordseefeeling garantiert!

Zum Beispiel „Dütten Steffi“:

Krabbenstand in Büsum

Die Krabben werden hier übrigens nicht gewogen, sondern mit einem großen Blechkrug literweise abgemessen:

Büsumer Krabben

Was nicht gebraucht wird, geht wieder zurück ins Meer:

Fischkutter mit Besatzung im Büsumer Hafen

 

Wenn das Wetter NOCH schlechter ist, man einfach generell keine Lust hat zu laufen oder einen der ganze Hafenkram nervt, bietet Büsum übrigens auch eine kleine Fußgängerzone mit Geschäften, die sogar Pfingstsonntag geöffnet hatten. Tat mir für die Beschäftigten ein bisschen leid, aber für uns war es ganz schön. Wenn man will, kann man sich dort auch von Kopf bis Fuß im maritimen Look einkleiden. Blauweißgestreifte Mütze, blauweißgstreifter Schal, blauweißgestreiftes Shirt. Oder vielleicht gleich ein Fischerhemd? Ich konnte mich zurückhalten und bin bei zwei Schals geblieben (bin nach Auffassung meiner Angehörigen ein kleines bisschen schalsüchtig…). Und wenn es einem in Büsum nicht mondän genug ist (denn dass ist es tatsächlich nicht), dann hat man die Möglichkeit, sich direkt am Hafen zu Gosch zu setzen und sich bei Hugo und Scampi vorzustellen, man sei auf Sylt 😉 .

Ich für meinen Teil hatte nach einer halben Stunde genug geshoppt und fand den schnuckeligen historischen Hafen von Büsum sehenswert genug…

Fischernetz im Hafen von Büsum

Historischer Hafen mit Leuchtturm in Büsum

Historischer Hafen Büsum

Pfähle am historischen Hafen Büsum

 

…ebenso wie Hunderte anderer Urlauber auch:

Menschenmenge am Büsumer Hafen

 

Aber isses nicht auch wirklich idyllisch?

 

 

Fischkutter im historischen Hafen Büsum

Fischernetz

Giebel aus rotem Backstein in Büsum

 

Historischer Hafen Büsum mit Leuchtturm

 

Sehr gut, Herr Bürgermeister 😉 :

Verkehrsschild: Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad... den anderen ist es verboten. Gemeinde Büsum - Der Bürgermeister.

 

Etwas unklar war mir allerdings die Sinnhaftigkeit der Institution einer Urlauberseelsorge in Büsum. Behandelt man die Touristen dort so schlecht, dass sie sich die ganze Ungerechtigkeit von der Seele reden müssen? Lässt man sie gar in alter Strandräubermanier auf der Wattwanderung allein zurück und manche von ihnen kommen völlig entkräftet und schwer traumatisiert nach langer, langer Irrwanderung in den Hafen Büsums zuück, um dort direkt nach dem Hinweisschild zur Urlauberseelsorge zu suchen? Büsum, ich weiß nicht recht…

Urlauberseelsorge

 

Kennt Ihr eigentlich die Idee des Büchertausches an öffentlichen Orten? Ich habe sowas in Hannover an der Marktkirche schon mal gesehen – und irgendwo anders auch (ich weiß nur nicht mehr wo). Das Prinzip funktioniert wie folgt: An einem offen zugänglichen Ort befindet sich ein Bücherschrank oder ähnliches (es soll auch Bücher-Telefonzellen geben – eine sehr süße Idee), an dem man kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten Bücher leihen, kaufen oder tauschen kann. Man kann das Ganze also entweder als Leihbücherei nutzen oder man nimmt ein Buch und gibt eine Spende in einen dafür vorgesehenen Behälter oder – und das ist eigentlich die beste Möglichkeit – man nimmt ein Buch heraus und stellt dafür ein anderes wieder hinein. Eine supertolle Idee, finde ich! Vor allem im Urlaub, wenn man seinen ganzen Lesestoff schon verbraucht und keine große Lust hat, einen Koffer voller Bücher mit nach Hause zu schleppen. Natürlich ist es immer ein bisschen Glückssache, was gerade so im Schrank vorhanden ist, aber das macht das Ganze doch irgendwie noch viel interessanter. Ich finde es toll! Ja, und in Büsum gibt es – passend zum Gesamtkonzept – natürlich nicht einfach irgendeinen Bücherschrank, sondern einen Bücherstrandkorb. Schön, nicht?

Bücherstrandkorb in Büsum

 

Zu guter Letzt wollten wir natürlich noch so richtig das Meer sehen. War aber nicht da. Nur Watt. Statt gelbem Sand, blauem Himmel und türkisfarbenem Meer diesmal nur beiges Watt an grauem Himmel. Auch schön…

Wattenmeer vor Büsum

 

Wattenmeer vor Büsum

 

Und damit verabschiede ich mich vorerst aus dem Watt. Aber: Heute ist nicht alle Tage…

 

 

Kathrin im Wattenmeer vor Büsum

Liebe Grüße aus Kathrinville, das diesmal in Büsum war,

Kathrin

Internetinfekt I – oder: I love my Hunter Boots

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber irgendwie bin ich furchtbar empfänglich für Dinge, denen ich an allen Ecken im Internet begegne. Dabei halte ich mich eigentlich gar nicht für übermäßig beeinflussbar und ich muss eigentlich auch gar nicht jeden Trend mitmachen. Naja, nicht JEDEN. Aber manche eben doch… Besonders schlimm ist es, seit ich seit etwa zwei Jahren bei Pinterest bin. Unglaublich, was man da alles an Ideen, Anregungen, Inspiration findet. Und ebenso unglaublich, was man dann natürlich SOFORT auch haben will!

Hunter Boots

So war es auch mit meinen Hunter Boots. Bevor irgendjemand von meinen Pinterest-Freundinnen sie gepinnt und somit für mich sichtbar gemacht hatte, wusste ich gar nichts von deren Existenz. Und auch nachdem ich sie gesehen hatte, war der Haben-Wollen-Modus nicht unmittelbar aktiviert. Aber: ich fand sie ganz schön. Und sah bei Pinterest weitere Hunter Boots. In schwarz. In rot. In pink. Mit Mustern. In uni. In matt. In glänzend. Zur Jeans. Zum Rock. Zum englischen Landadeligen-Look.

Hunter Boots

Und langsam aber sicher schlich sich der Internetvirus in meine Gedanken… „Wäre doch ganz schön, auch so ein klitzekleines Hunter-Pärchen zu haben…“ – „Ach Quatsch, wozu brauche ich denn Gummistiefel? Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr keine Gummistiefel getragen und sie seitdem auch nicht vermisst.“ – “ Aber überleg doch mal, wie praktisch die sind. Zum Beispiel, wenn Du bei schlechtem Wetter mit dem Kinderwagen spazieren gehst. Oder wenn der nächste Nordseeurlaub ansteht. Ist doch total stylisch bei Regenwetter am Strand… Außerdem sind das doch keine normalen Gummistiefel! Das sind Hunters! Die kann man IMMER und ÜBERALL anziehen!“

Ja, so kam ich zu der Erkenntnis, dass ich ohne Hunterboots KEINEN EINZIGEN TAG mehr weiterleben kann.

Und dann tauchte ich ein in den Hunter-Mikrokosmos. Es ist ja nicht so, dass man sich einfach so ein Paar Stiefel kauft und fertig (nachdem man sich für eines der geschätzten 156 Modelle entschieden und rausgefunden hat, wo man die überhaupt kaufen kann). Nein. Hunter Boots sind keine normalen Gummistiefel. Einfache, normale Gummistiefel bestehen meistens aus PVC oder ähnlichem. Bei Hunter Boots handelt es sich dagegen um „legendäre, traditionelle handgefertigte Stiefel aus Naturkautschuk von der Firma Hunter aus Schottland“. Das bedeutet im Klartext: Sie bedürfen einer besonderen Pflege. Also nicht einfach tragen und gut isses (sollte man bei Gummistiefeln ja eigentlich meinen). Sondern ein besonderes Pflegemittel kaufen (nachdem man sich nach gründlicher Internetrecherche für das richtige entschieden hat, das man aber nur bei einem einzigen Händler beziehen kann), dessen Preis demjenigen herkömmlicher einfacher Gummistiefel nahe kommt und vor und nach dem Tragen (oder auch währenddessen?) benutzen. Und die Gummistiefel an einem dunklen Ort aufbewahren. Und mit einem Microfasertuch abtrocknen. Und… Und…

Hunter Boots

Ist das nicht bekloppt? Bin ich nicht bekloppt, dass ich das alles getan habe?

Die Antwort lautet: Ja.

ABER: Ich liiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeebe sie trotzdem – meine Hunter Boots <3

Hunter Boots

Man kann sie nämlich zu allem tragen. Und es sind ja auch keine normalen Gummistiefel. Und wenn man mal an der Nordsee ist… Oder wenn man mal bei Regen mit dem Kinderwagen… Oder… 😉

Hunter Boots am Meer

 

Und Ihr so? Wovon lasst Ihr Euch im Internet infizieren?

 

Liebe Grüße,

Kathrin

 

Winter in WHV

WHV? Ihr kennt nur WSV? Aber den gibt’s auch nicht mehr, seit es überall nur noch „Sale“ gibt, und das auch noch unabhängig von der Jahreszeit? Nein, auch wenn mich gerade sanfte Shopping-Gelüste packe – wir waren nicht im Winterschlussverkauf, sondern in Wilhelmshaven. Viel Meer und eine steife Brise.

Zugegeben, Wilhelmshaven ist nicht die schönste aller Küstenstädte. Wenn man es genau nimmt, ist Wilhelmshaven vielerorts sogar eher unschön. Keine alte Stadt, sondern vor weniger als 150 Jahren als deutscher Kriegshafen gegründet, daher keine Altstadt, zu wenige Jobs und zu viele Leerstände, zu viele junge Leute ziehen weg. So viel zum unschönen Teil. ABER: Wilhelmshaven liegt am Meer. Und ich liiiiiiiiiiiieeeeeebe das Meer. UND: Wilhelmshaven hat meinen Herrn Wunderbar hervorgebracht. Wenn das nichts ist! Man kann es auch positiv sehen: In Wilhelmshaven gibt es viel Potential. Vieles ist ausbaufähig, es besteht viel Luft nach oben. Der Südstrand zum Beispiel, der nicht aus Sand besteht, sondern aus Rasen und einer betonierten Promenade. Liebe Wilhelmshavenerinnen und Wilhelmshavener! Tut was! Ihr habt das Meer, das ist toll. Aber wer will denn auf Rasen und Beton sitzen? Ihr doch auch nicht, oder? Eben.

Trotzdem: Schön war’s wieder mal. Sich ordentlich durchpusten und den Kopf freiwehen zu lassen.

Wilhelmshaven

Nordsee vor Wilhelmshaven

Nordsee vor Wilhelmshaven

Portrait Kathrin in WilhelmshavenSonnenuntergang in Wilhelmshaven

 

Worauf die Wilhelmshavener derzeit wirklich stolz sein können, ist die frisch restaurierte Kaiser-Wilhelm-Brücke:

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

Wilhelmshaven Kaiser-Wilhelm-Brücke

WHV Kaiser-Wilhelm-Brücke

Marineschiff

Wilhelmshaven Strandkörbe

Wilhelmshaven Deichschutzbereich

Wilhelmshaven

Möwe

Harle Kurier

 

Auch sehr schön… Gut, dass auf dem Schild ein klitzekleiner Pfeil nach oben ist 😉 :

Schild Fischbrötchen am Südstrand von Wilhelmshaven

 

Backside Wilhelmshaven – ich habe in der Zeitschrift „The Simple Things“, Ausgabe 01, von sogenannten Ghost Signs gelesen, von alten verblassten Werbungen, die direkt auf die Mauern eines Hauses gemalt wurden, und war ganz fasziniert, selbst auch sowas zu finden. Verfall und Renovierungsstau haben doch manchmal auch ihre guten Seiten…

Backside Wilhelmshaven

 

Und ein bisschen maroder Charme an der maritimen Meile:

Wilhelmshaven Schiff

Wilhelmshaven Schiff

WHV Bootshaus

 

Hach, ich mag das irgendwie. Auch wenn’s gammelt und nach Brackwasser riecht…

Wilhelmshaven – wir sehen uns!