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Ein Häufchen Elend. Abriss Teil III (und Ende).

So, damit das hier nicht zu einer unendlichen Geschichte verkommt und ich vor allem auch endlich mal zu den schönen Dingen (nämlich unserem endlich beginnenden Neubau!) kommen kann, zeige ich nun den dritten und letzten Teil des Abrisses.   Jetzt ging es auch dem hinteren Giebel an den Kragen. Wenn ich mich auf meinem Computer durch die Bilder klicke, ist es fast wie ein Film. Das geht beim Runterscrollen natürlich leider nicht so gut. Aber ich finde es trotzdem krass, wie man die einzelnen Wandteile fallen sieht (z. B. auf dem dritten, fünften und sechsten Bild).

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Da wird schön

ordentlich das Fenster heraussortiert…

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Abriss IMG_7009 Bei diesem Anblick muss ich sogar jetzt noch ein wenig schlucken: Abriss Und wieder auf die andere Seite: IMG_7115 So (Bild unten) sah der Holzberg zu diesem Zeitpunkt aus. Im oberen Teil sieht man einen Teil der schönen alten Treppe, deren Geräuschkulisse meine Oma (und später auch die unten wohnenden Mieter) so manches Mal wahnsinnig gemacht hat, wenn meine Cousine und mein Cousin als Kinder wild darüber gepoltert sind. Ich hatte mir im Vorfeld gar keine Gedanken darüber gemacht, dass die Treppe fast als Ganzes herausgebrochen werden und dann auf einem Schutthaufen enden würde (zumindest bis zu ihrem Abtransport). Überhaupt hatte ich mir den Abriss ganz anders vorgestellt – wobei ich gar keine wirklich konkreten Vorstellungen hatte. Ich dachte irgendwie, erst würde mit roher Gewalt das komplette Haus zum Einsturz gebracht – mit einer Abrissbirne oder so – und dann läge alles als kleinteiliger Schutt dort und würde gegebenenfalls grob sortiert. Jetzt ist mir natürlich auch klar, dass es viel zeitsparender ist, von Anfang an alles ordentlich vorzusortieren. Außerdem ist es bestimmt ungefährlicher, wenn nicht unzählige Tonnen Baumaterial wild und unkontrolliert durch die Gegend fliegen. Es wirkte für uns dadurch auch weniger „brutal“. Trotzdem war es auch ein bisschen komisch, Teile des Hauses, die wir aus bestimmten Räumen kannten, plötzlich in herausgerissener Form auf einem quasi Müllberg zu sehen – wie eben die Treppe oder Türen und Fenster oder Parkett oder Teile des Badezimmers. IMG_7022 IMG_7030 Ein Stück Parkettboden: IMG_7043 IMG_7044 Und die nächsten Wände: IMG_7064 IMG_7065 IMG_7066 IMG_7067 IMG_7073 So sah es nun von der anderen Seite aus: IMG_7092 Um nicht alles völlig zu überfrachten, habe ich mich mal an einer Collage versucht (obwohl ich eigentlich nicht so ein Fan davon bin, aber diese Bilderfolge sieht man so vielleicht auch ganz gut). Jetzt kam nämlich eine der bahnbrechenderen Aktionen: Der Bagger setzte am Balkon (deren Fußboden gleichzeitig auch die Decke des ehemaligen Wintergartens dargestellt hatte) an, brach ihn unter riesigem Getöse in einem einzigen Stück heraus und ließ ihn dann zu Boden fallen, um ihn zu Bruch zu bekommen. Schade, dass die Bilder ohne Ton sind… Abriss Abriss Abriss Hier nochmal eine Momentaufnahme in groß: Abriss Und so sah das Haus danach aus. Da fehlte plötzlich ganz schön viel:AbrissAbriss Eine faszinierte kleine Tochter Nr. 1 (die neuerdings übrigens ständig im Vorbeifahren irgendwelche Häuser kommentiert: „Die Häuser sind alt. Da muss der Bagger kommen.“ Äh, naja, vielleicht nicht bei allen…).Abriss Da war wohl noch ein halber Giebel zu viel. Aber nicht mehr lange: IMG_7189 IMG_7190 IMG_7191 IMG_7194 Und auf der gegenüberliegenden Seite war auch noch einer:Abriss IMG_7205Ich fand es bemerkenswert, wie „müllig“ etwas aussehen kann, das gerade noch ein Haus war. Ich meine, dieses Haus war vor dem Abriss zwar sanierungsbedürftig, aber es wirkte nicht so gammelig, wie man anhand der nun herausquellenden Dämmmaterialien und ähnlichem vermuten könnte. Wahrscheinlich ist das bei alten Häusern grundsätzlich ganz gut so, dass man im Normalfall nicht sehen kann, was sich dort alles in den Wänden befindet und wie das genau aussieht – sonst könnten etwas zarter besaitete Menschen wohl nicht mehr ruhig und ohne Ekelgefühle darin wohnen. Vielleicht sieht es aber auch schlimmer aus als es ist (ich gebe gerne zu, dass ich zu den ekeltechnisch zarter besaiteten Menschen gehöre). Davon mal abgesehen fand (und finde) ich es aber auch immer noch seltsam, auch in diesem Zustand des Hauses (also als fast nichts mehr davon übrig war) noch intakte Wände mit Steckdose und Lichtschalter zu sehen. Das war wie eine Art Anachronismus. Als ob das Haus im totalen Untergangschaos noch ein Stück Normalität bewahren wollte. Ja, ich weiß, ein Haus ist keine Person 😉 . Ich meine das im übertragenen Sinne. Oder so.  IMG_7214 IMG_7215

Abriss Auch vorne wurde nochmal abgebissen:Abriss Ohne Dach und erste Etage. Eine Art Bungalow. Ein sehr luftiger allerdings. Abriss Unter extremem Kraftaufwand und ziemlicher Staubentwicklung wurde ein großer Teil des Parketts aus dem Erdgeschoss (bzw. aus den wenigen Zimmern, die noch übrig waren) herausgerissen. Das war noch erstaunlich intakt. Aber was soll’s – weiterverwenden können hätte man es wohl kaum.Abriss Abriss, Parkett wird herausgebrochen Abriss, Parkett wird herausgebrochen Abriss, Parkett wird herausgerissenAbriss, Parkett wird herausgerissen Nun blieb eigentlich nur noch die vorderste Front des Erdgeschosses:AbrissAbrissAbriss Ich fand es auch hier wieder erstaunlich, dass der Baggerführer aus all dem Bruch und Durcheinander zielsicher den Heizkörper herausfischte, um ihn auf den Metallhaufen zu legen.AbrissDies war vor langer, langer Zeit mal das Arbeitszimmer meines Opas. Da mein Opa leider schon vor vielen Jahren verstorben ist, hat der Raum mittlerweile mehrere andere Nutzungen erfahren. Als ich so hineingucken konnte, war es für mich irgendwie trotzdem noch „Opas Arbeitszimmer“, das noch fast bis als letztes stand. Seltsamerweise war die Türklinke umgedreht – wodurch auch immer – und die Zimmerdecke fehlte bereits.Abriss Die Tür gehörte natürlich auf den Holzstapel und musste daher als nächstes raus:AbrissMittlerweile kamen auch ein paar neugierige Nachbarskinder, um das große Finale nicht zu verpassen (und mit dem Smartphone zu filmen).Abriss Neben der Wohnzimmerwand stand bis ganz zum Schluss die Wand zur ehemaligen Terrasse bzw. zum ehemaligen Wintergarten samt Kamin – mitsamt dem hübsch-hässlichen aber jedenfalls absolut stilechten runden Bleiglasfenster, das auf dem nächsten Bild rechts zu sehen ist. Mein Schwager hatte kurz vorher noch zu bedenken gegeben, dass Bleiglasfenster doch sicher bald wieder im Kommen wären (das würde mich nicht wundern, nachdem auch „Mid-Century“ neuerdings der große Renner ist) und ob wir das Fenster nicht ausbauen und behalten wollten. Wir haben wirklich ernsthaft darüber nachgedacht, aber in unserem geplanten KfW-55-Haus können wir es unter Energiegesichtspunkten nun beim besten Willen nicht unterbringen – oder zumindest nicht als reguläres Fenster einbauen lassen. Außerdem passt es eigentlich auch sonst nicht rein. Und eine Garage haben wir im ersten Aufschlag nicht geplant; die ist erst ein wenig später dran. Also haben wir von dieser Idee wieder Abstand genommen und es dem Schwager zum Selbstausbau angeboten – aber auch der konnte es in seinem Haus nirgendwo unterbringen. – Ich musste jedenfalls ganz bis zum Schluss daran denken und witzelte ständig mit Herrn Kathrinville, dass er dem Schwager schnell noch Bescheid sagen solle, dass jetzt gerade noch Zeit wäre, das Fenster auszubauen. Herr Kathrinville verstand die ersten Male gar nicht, dass es ein Witz war. Na, der traut mir ja offensichtlich einiges an Beklopptheit zu – als ob ich allen Ernstes jemanden mitten im Abbruch vor den Bagger schicken und ein Fenster ausbauen lassen würde… IMG_7349 IMG_7350 Wir nähern uns dem letzten Akt:Abriss IMG_7352 IMG_7353 Aus der seitlichen Perspektive: IMG_7374 IMG_7375Wasser marsch: IMG_7376Noch stand die Wand mit dem Bleiglasfenster. Vielleicht doch noch schnell den Schwager anrufen? IMG_7377 IMG_7381 Nun hieß es offenbar auch bei Petrus „Wasser marsch“: Es fing an zu schütten. Die nächsten Bilder sind daher etwas wässerig, aber ich wollte es mir nicht nehmen lassen, den Fall der letzten Wände mitzuerleben und auch festzuhalten. Auf dem nächsten Bild ist zu sehen, wie die allerletzte Außenwand des eigentlichen Hauses fiel. Der Rest war nur noch die Terrassen- bzw. Wintergartenwand mit dem dazugehörigen Kamin/Schornstein.IMG_7384 IMG_7393 IMG_7394 IMG_7395Die Bleiglasfensterwand stand noch. Nun machte ich aber einen Fehler: Um nicht allzu nass zu werden, spurtete ich unter das Vordach der ollen Nachbargarage (teilweise oben in den Bildern zu sehen). Noch während ich lief (und daher nicht hinguckte) passierte es: Das Bleiglasfenster fiel der Baggerzange zum Opfer. Mist! Darauf hatte ich wirklich stundenlang gewartet und nun hatte ich es verpasst. IMG_7413 Zwei Sekunden zu spät: IMG_7414Die letzte Wand: IMG_7417Abriss Und nun noch der Kamin samt Schornstein: Abriss Abriss IMG_7426  IMG_7427Das war’s. Unglaublich, das ein Haus, für das man damals wahrscheinlich über ein Jahr gebraucht hatte, um es zu bauen, in nur zwei Tagen dem Erdboden gleich gemacht werden kann. Mit einem halben weinenden und anderthalb lachenden Augen verabschiedete ich mich innerlich vom alten Haus mit all den Erinnerungen, die darin produziert wurden und freute mich gleichzeitig sehr auf unseren Neubeginn (in einem ganz und gar gammelfreien Haus). Abriss Das war nun die Ansicht von vorne. Einfach NICHTS. Ich fand es auch an den nachfolgenden Tagen noch sehr seltsam, um die Ecke zu biegen und auf „nichts“ zuzufahren – vor allem, nachdem der Bagger dann weg war. Abriss Unterdessen hatten sich einige Nachbarn versammelt, um über den Abbruch zu fachsimpeln und auch ein bisschen, um über alte Zeiten zu sprechen. Immerhin sind die zwei Nachbarhäuser am Zufahrtsweg genauso alt wie das nun abgerissene Haus, hatten aber wohl zum Glück nicht die gleiche Wasserproblematik. Wir riskierten noch einen Blick vom Waldrand aus:     Abriss Abriss Und Herr Kathrinville knipste noch schnell mit dem Handy ein Beweisfoto für die lieben Freunde, die uns zur Geburt unserer kleinen Tochter aus gewissen Gründen ein Birnbäumchen der Sorte „Gute Luise“ geschenkt hatten. Alles gut: Der Baum steht noch: Birnbäumchen "Gute Luise" vor dem Schutthaufen Alles, was in den nächsten Tagen kam, war zwar auch noch interessant, hatte für mich aber emotional nicht mehr so wirklich mit dem alten Haus als solchem zu tun – denn das war ja nun tatsächlich weg. Der Schutt wurde abtransportiert und der Keller wurde herausgebrochen. AbrissAls Herr Kathrinville die Kinder in den Mittagsschlaf begleitete, ließ ich mich ganz gemütlich mit einer Schale Erdbeeren (seit wann gibt es eigentlich so spät im Jahr noch heimische Erdbeeren?! Sind die genmanipuliert???) auf der Banklehne hinter dem oben zu sehenden Haselnussstrauch nieder und beobachtete die Aufräumarbeiten. Erdbeeren Am Ende des Tages war nicht mehr viel übrig (also jetzt vom Schuttberg – von den Erdbeeren sowieso nicht, die waren ratzfatz weg). IMG_7567 Das war es vom Abriss. Ich sage Tschüss, altes Haus. Und herzlich Willkommen, neues!   Viele Grüße, Kathrin

Mach’s gut, altes Haus. Abriss Teil II.

Am nächsten Tag ging es bereits vor halb acht weiter mit dem Abriss. Diesmal war auch Herr Kathrinville mit von der Partie und gemeinsam waren wir bis an die Zähne mit Aufnahmegeräten bewaffnet: Smartphones, DSLR, Videokamera. Zunächst der Blick aus meinem alten Kinderzimmer: halbabgerissenes Haus Herr Kathrinville stellte sich dann einen Terrassenstuhl auf den Rasen und filmte mit der Videokamera, während ich die meiste Zeit von allen Seiten aus fotografierte (oder eigentlich immer von da, wo gerade am meisten zu sehen war. Blöd, dass ich meine Hunterboots nicht dabei hatte – die Wiese war nämlich ganz schön matschig). Wegen der Morgensonne im Hintergrund sind die Bilder übrigens teilweise nicht so der Hit – aber da meine neue Maxime ja 80:20 lautet, lasse ich das jetzt mal so unbearbeitet (und auch ohne Wasserzeichen – ich gehe mal nicht davon aus, dass böse Bilderdiebe scharf auf meine amateurhaften Bilder von einem halbabgerissenen Haus sind…). Abriss Abriss IMG_6618 IMG_6619Diesmal hatte der Baggerführer übrigens einen Gehilfen dabei, der teilweise die Materialien sortierte und der vor allem dann, wenn es ganz schlimm staubte, mit dem Wasserschlauch spritzte. Wir wollten ja schließlich nicht die komplette Nachbarschaft weiß tünchen. Abriss IMG_6629 IMG_6630 AbrissAbrissIMG_6633 IMG_6634Und dann nahm er mal eben das Badezimmerfenster raus: IMG_6648IMG_6649Und die Dachrinne: AbrissDanach war mal wieder eine Lage Dachpfannen dran: IMG_6651 Abriss IMG_6653 IMG_6654Hier sieht man noch schön die einzelnen Dachpfannen runterfallen: Abriss Es war wirklich interessant zu sehen, wie der Baggerführer ganz filigran die einzelnen Dachbalken herauszog und sie auf den Haufen mit dem Holz legte, ganz akkurat die Kabel aus der Decke zog und auch (scheinbar) behutsam die Türstürze usw. herausbrach. Einige Kleinteile fielen natürlich trotzdem immer mal wieder durcheinander in den riesigen Schutthaufen vor dem Bagger, weil die Materialien beim ursprünglichen Hausbau ja auch nicht isoliert voneinander eingebaut worden waren. Diese Teile legte der Helfer dann immer mal wieder in die Baggerkralle, die sie dann fein säuberlich auf den jeweiligen Stapel legte. Oh Mann, beim Stichwort Hausbau muss ich in diesem Zusammenhang immer wieder an meinen Uropa denken, der das Haus ja seinerzeit gebaut hat – und an alle Hoffnungen und Wünsche, die mit diesem Haus verknüpft wurden – ganz so, wie meine kleine Familie und ich es ja jetzt auch bei unserem Hausbau tun. Eine furchtbare Vorstellung, das Haus dann jetzt einfach so abreißen zu lassen. Andererseits war das Haus einfach am Ende; sonst hätten wir das ja nicht getan. Abriss Oje, und da sieht man auch wieder die verrückte Tapete aus dem Sicherungs- und Besenschrank meiner Oma. Was sie jetzt wohl denken würde, wenn sie das noch sehen könnte? Ich mag gar nicht dran denken. Ich hoffe, sie hätte Verständnis und fände es schön, dass dort etwas Neues entsteht. Interessant übrigens, was damals als Dämmmaterial für die Decken verwendet wurde. Das erinnert mich irgendwie an diese Balkonverkleidungen aus Bast: Abriss Nach einer kurzen Frühstückspause ging es weiter mit der Abreißerei. Herr Kathrinville, der mit einer längeren Pause gerechnet hatte, saß noch gemütlich am Kaffeetisch und schnitt Tochter Nr. 1 ein Brot klein, aber ich hatte es irgendwie im Gefühl, dass wir uns nicht zu lange Zeit lassen sollten, um nicht die interessantesten Dinge zu verpassen. Und richtig – als ich rausging, ging es dem Haus bereits an den Kragen… äh… ans Dach. Abriss Abriss Ich warf schnell die Videokamera an. Und dann passierte es: Der Baggerführer stieß den hinteren der beiden Schornsteine um; dieser fiel auf den vorderen und brachte dadurch das komplette Dach, beide Giebel und einen Teil der Wand zum Einsturz. Selbst das Balkongeländer wurde dahingerafft und unter dem herabfallenden Schutt begraben. Da ich ziemlich nah am Haus stand, ging ich schnell ein paar Schritte rückwärts – nicht, dass jetzt auf einmal das ganze Haus einstürzte… Mein Schwager, der gerade gekommen war, behauptete hinterher, ich hätte ziemlich erschrocken ausgesehen – ich bestreite das natürlich 😉 . Ich wollte halt nur keine herabstürzenden Steine abbekommen. Die Videokamera hatte ich natürlich immer auf das Haus gerichtet und freute mich total, diesen spektakulären Anblick gefilmt zu haben – vor allem, da Herr Kathrinville diesen verpasst hatte. Leider kam es, wie es kommen musste: Abends beim Sichten der Videos stellten wir fest, dass zwar sonst jede erdenkliche Aufnahme geglückt war, aber ausgerechnet diese nicht. Ich hatte wohl versehentlich einmal zu oft auf den Start/Stop-Button gedrückt. Darüber ärgere ich mich jetzt noch. Dies ist daher das nächste Bild: Abriss Auch von der gegenüberliegenden Seite sah das Haus mit dem halbabgebrochenen Giebel und den Rissen über den beiden Fenstern jetzt schon deutlich anders aus. Ich wartete immer darauf, ob die Risse sich wohl vergrößern und ein Stück der Wand zum Einsturz bringen würden, aber dieser Zustand blieb so, bis der Bagger an dieser Stelle aktiv wurde. IMG_6744 In der Mittagspause des Baggerführers fuhr ich schnell hoch zum Waldrand und knipste den aktuellen Stand der Dinge: Abriss IMG_6786 Bei der Rückkehr ein Blick von vorne: IMG_6812 Und dann war auch die Baggerkralle schon wieder zu sehen (irgendwie sieht das ja schon ein bisschen bedrohlich aus, finde ich): IMG_6824 Derweil es auf der anderen Seite schon wieder ziemlich staubte: IMG_6827 Ungefähr in diesem Stadium kam eine Nachbarin zum gucken (nicht die erste…) und war ganz überrascht, dass hier ja schon fast alles weg war – von vorne sah das Haus ja auch noch recht „moderat zerstört“ aus. IMG_6862 IMG_6863 IMG_6864 IMG_6865 IMG_6870 IMG_6885 IMG_6890 Abriss IMG_6892 IMG_6893 Sehen Sie hier: Schuttberg an Schäfchenhimmel. IMG_6910 Nach großem Krach am Dach… IMG_6924 IMG_6925 IMG_6926 … kam endlich auch der Wasserschlauch so richtig zum Einsatz:  IMG_6991Mannomann, sind das viele Bilder. Ich glaube, um den Schutz unserer Privatsphäre (oder wie auch immer man das nennen soll) brauche ich mir keine Gedanken zu machen. So langweilig, wie das hier ist, guckt sich das außer uns und unserer Familie ohnehin keiner an 😉 . Aber das macht nichts. Für uns selbst ist diese Bilderfolge superspannend, darum poste ich einfach so viele Bilder wie ich will. Trotzdem schicke ich das hier jetzt erst mal ab. Wie Tochter Nr. 1 sagen würde: „Der Rest für moooaagn.“ (oder für die nächsten Tage).   Viele Grüße aus den Tiefen meiner Abrissordner, Kathrin

Ein Abschied und ein Neubeginn. Abriss Teil I.

Ich hatte es ja im letzten Post schon angedeutet: Herr Kathrinville und ich haben uns vor einiger Zeit entschlossen, ein neues Haus zu bauen. Unser jetziges ist zwar auch sehr schön (und ich vermisse es jetzt schon ein bisschen, wenn ich daran denke, dass es bald jemand anderem gehört), aber aus beruflichen Gründen bot sich ein Ortswechsel an. Und so standen wir vor der entscheidenden Frage, die alle, die nicht mieten wollen, für sich beantworten müssen: Kaufen oder bauen? Grundsätzlich lieben wir beide Altbauten (natürlich nur die sanierten, nicht die zugigen und abgewrackten), also bot sich eigentlich ein „gebrauchtes“ Haus an. Aber nachdem wir den Immobilienmarkt ein wenig beobachtet hatten, kamen uns die angebotenen Häuser irgendwie alle überteuert vor. Und so richtig verliebt haben wir uns auch in keins. Und ich finde, bei einem Hauskauf muss es (ähnlich wie beim Brautkleidkauf 😉 ) einfach „klick“ machen. Es soll ja schließlich ein Haus „für immer“ sein (und außerdem ist das ja auch ein unvorstellbarer Haufen Geld, den man da ausgibt), also sollte einem das Haus vom Grundsatz her schon ziemlich gut gefallen. Kleinigkeiten kann man natürlich immer ändern, aber das Grobe muss schon passen. das war aber bei keinem Haus der Fall. Tja, und so bauen wir nun neu. Wir finden es gut – immerhin kann man alles von vornherein mitentscheiden und sich ganz genau so aussuchen, wie man es gerne hätte. Äääh, ich korrigiere: Kann man dann, wenn es ins Budget passt. Und damit wären wir beim Nachteil des Bauens: Seitdem wir wissen, wie unglaublich hoch die Baukosten geworden sind (seitdem Bauherren so günstige Zinsen bekommen…), kommen uns die damals angebotenen Altbauten dann doch nicht mehr so teuer vor. Aber sei’s drum. Jetzt sind wir mitten drin und auch zufrieden mit dieser Entscheidung.

Nun brauchten wir also ein passendes Grundstück. In der Stadtrandlage, die es für uns sein sollte, gibt es nur noch wenige Baulücken. Viele davon sind zur falschen Seite gelegen, haben die Sonne also auf der Hauseingangsseite und nicht auf der Rückseite, wo man ja im Normalfall die Terrasse plant. Ich wollte das Grundstück gerne möglichst groß; Herr Kathrinville dachte bereits mit Grauen an den dann zu pflegenden Garten. Möglichst leise sollte es sein, trotzdem natürlich nicht zu weit ab vom Schuss. Als wir drei Grundstücke im Visier hatten, die wir mal näher unter die Lupe nehmen wollten, machten meine Eltern uns plötzlich einen Vorschlag. Direkt neben ihrem eigenen Haus stand das ehemalige und mittlerweile ziemlich baufällige Haus meiner Großeltern, in dem nach deren Tod nun Mieter sowie meine Tante mit meinem Cousin lebten. Einzelheiten lasse ich mal weg – die Quintessenz: Wir konnten es erwerben und abreißen lassen, um an dieser Stelle neu zu bauen. Damit hätten wir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht gerechnet und ich wusste auch erst nicht so recht, ob ich das überhaupt wollte. Auch für meine Mutter war es eine schwierige Vorstellung, mitzuerleben, wie ihr Elternhaus abgerissen würde. Ich glaube, das ist umso schwerer, wenn die Eltern nicht mehr da sind – dann geht auch das letzte große sichtbare Materielle. Und für meine Tante und deren Kinder war es natürlich noch viel viel schwerer. Letztlich hat meine Tante aber zusammen mit ihrem Sohn nun eine neue, moderne und bessere Wohnung gefunden und wir haben uns tatsächlich dazu entschieden, das alte Haus abreißen zu lassen. Echt erstaunlich bei mir, die ich mich unglaublich schwer trennen kann – ob von Dingen, Menschen, Orten oder Situationen. Aber das alte Haus war ein Fass ohne Boden. Als dort vor über 20 Jahren ein Wintergarten angebaut wurde, wurde wohl versehentlich eine wasserführende Schicht angebohrt und seitdem gab es dort ein riesiges Wasserproblem. Trotz nachträglich gelegter Drainage und allem Drum und Dran gab es bei starkem Regen Tage, an denen das Wasser ungelogen einfach so durch die Kellerwand floss wie aus einem Wasserhahn. Und im Laufe der Jahre geht das an die Substanz. Auf deutsch gesagt: Irgendwann gammelt einem das Haus einfach so unter dem Hintern weg. Dazu kamen diverse anstehende Reparaturen, eine irgendwann zu ersetzende Heizung, ein irgendwann zu erneuerndes Dach und so weiter und so fort. Deshalb entschieden wir uns (ich schweren Herzens) für den Abriss.

So sah das Haus im letzten Jahr noch aus. Man sieht schon ein wenig, dass es nicht mehr das allerneueste ist, aber dadurch, dass es noch bewohnt war, geht es rein optisch noch, finde ich. Und was man natürlich auch nicht sieht, ist die marode Substanz.

Von der Seite:

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Von vorne:

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Letzte Woche Donnerstag war es dann soweit: Der Bagger rollte an. Meine Eltern waren – zum Glück für meine Mutter und zum Unglück für meine Vater, der den Abriss gerne gesehen hätte – im Urlaub, hatten uns aber ihr Haus zum Gucken zur Verfügung gestellt. Und so stand ich morgens um zehn vor sieben aufgeregt und mit gemischten Gefühlen mit sämtlichen verfügbaren „Aufnahmegeräten“ (Fotokamera, Videokamera und Handy) im Anschlag im Garten und machte noch ein paar letzte Aufnahmen vom alten Haus:

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Dann ging ich noch mal durch alle Räume, um mich ein letztes Mal vom Haus zu verabschieden. Das hört sich vielleicht etwas albern und sentimental an, aber irgendwie hatte ich das Bedürfnis danach. Dieses Haus wurde Ende der 20er Jahre von meinen Urgroßeltern gebaut; sie und ein Onkel meiner Mutter haben dort bis an ihr Lebensende gewohnt, ebenso wie meine Großeltern. Meine Mutter und ihre beiden Geschwister wurden dort geboren und sind dort aufgewachsen, meine Großeltern sind beide in diesem Haus gestorben, meine Tante hat dort mit ihrer Familie gelebt. Fast meine ganze Kindheit und Jugend lang habe ich neben diesem Haus gewohnt – das vierte Foto (und im so ähnlich auch das erste Foto) ist der Blick aus meinem alten Kinderzimmer. Ich kann mich an unzählige Momente dort bei meinen Großeltern erinnern. Fast alle meine Erinnerungen an meine Großeltern sind auch irgendwie mit ihrem Haus verknüpft. Ich musste daran denken, wie viel Arbeit mein Opa und in den letzten Jahren auch mein Vater in dieses Haus gesteckt haben (und von meinem Uropa nehme ich es einfach mal ebenfalls an) und ich fühlte mich ganz komisch, das jetzt abreißen zu lassen. Ein so altes Haus mit all dem, was darin passiert ist. Aber auf der anderen Seite war es eben einfach auch ziemlich kaputt und es ist doch auch ein wunderschöner Gedanke, dass dort jetzt etwas Neues entsteht und dass ein jüngerer Teil derselben Familie an derselben Stelle weiterlebt.

Ein bisschen komisch wurde mir ganz zum Schluss, als ich die Haustür schloss und den noch dort befindlichen Segen der Sternsinger aus dem Jahr 2013 sah. Immerhin heißt das ja übersetzt „Gott schütze dieses Haus“. Darf man das dann abreißen?

Segen der Sternsinger an der Eingangstür

 

Zu spät. Ich hörte schon den Bagger den kleinen Weg zu unserem Grundstück hochfahren.

Das war ein Spektakel: Dieser riesige Bagger auf dem schmalen Weg. Ich dachte, der passt da NIE durch und sah im Geiste schon die Vorgärten der Nachbarn zerstört und das Nachbarschaftsverhältnis auf ewig im Eimer. Kurz überlegte ich, ob die Bauversicherung, die wir gerade abgeschlossen hatten, wohl schon wirksam war (war sie, aber sie deckt den Abriss nicht mit ab).

Bagger auf schmalem Weg

 

Aber – oh Wunder – es klappte ohne Schäden.

Um den Asphalt nicht zu beschädigen, wurde der Bagger von mehreren Männern begleitet, die alte Autoreifen vor die Ketten des Baggers zu legten, sie hinterher wieder aufhoben und sie dann wieder nach vorne trugen. Sowas habe ich noch nie gesehen. Aber sehr clever. Und eindrucksvoll. Die ganze Nachbarschaft beobachtete die Einfahrt des Riesen.

Bagger

 

Nachdem die Männer vom Abrissunternehmen kurz vor Ort die Lage gecheckt hatten und noch einmal gemeinsam mit mir im Haus waren (mein allerletzter Besuch im Haus war daher nicht so sentimental – der Baggerführer: „Sie können ruhig abschließen. Ich mache die Tür schon wieder auf.“), ging es auch schon los. Da wurde nicht lange gefackelt. Ich war nur eine Viertelstunde weg, um mich um die Kinder zu kümmern, und zack, schon war das Dach der alten Scheune (alias Garage) fast weg.

Abriss Scheune

Das ging übrigens sehr filigran vonstatten: Ich hatte ja rohe Gewalt erwartet, aber der Baggerführer nahm die Dachbalken einzeln wie mit einer Pinzette heraus und sortierte direkt Holz zu Holz, später dann Metall zu Metall, Dämmwolle zu Dämmwolle und so weiter.

Brutal war es natürlich trotzdem; immerhin wurde da ein Gebäude komplett abgerissen. Und es dauerte vielleicht eine Dreiviertelstunde, dann war die Scheune Geschichte.

Abriss

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Nachdem die Scheune so ziemlich weg war, musste ich wieder für etwa eine Viertelstunde verschwinden, und als ich wiederkam, bot sich mir dieses Bild:

Abriss Haus

Das ging ja Schlag auf Schlag!

Ich ärgerte mich etwas, weil ich den ersten Hieb auf das Haus doch so gerne gesehen hätte, aber nun war es zu spät.

Abriss Haus

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IMG_6424Von der Seite sieht das Dach bislang nur ein bisschen angeknabbert aus…

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Aber dann zog der Bagger einen Stützbalken heraus… und… broooooochhhhhh:

Abbruch Haus

Das war jetzt auch von dieser Seite mehr als nur ein bisschen angeknabbert:

Abbruch Haus

Nun ging es richtig an’s Eingemachte. Dass die Scheune abgerissen wurde, war ja noch okay (auch wenn ich selbst mit dieser Scheune noch ein paar lustige Geschichten verknüpfe). Aber diese große Baggerkralle, die die einzelnen Zimmer zerstörte, war irgendwie doch noch was anderes. Das ist ein ziemlich seltsames Gefühl, wenn man eine Pranke die Badezimmerwand durchbrechen sieht und man plötzlich von der Wiese aus direkt auf die Wandfliesen blicken kann (die ich übrigens sehr retromäßig stylisch finde). Und im nächsten Moment nimmer der Bagger dann den kompletten Fliesenspiegel, bricht ihn mitsamt Wand aus dem Gebäude und wirft ihn auf den Schutthaufen. Ein Häufchen Elend.

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Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Abriss, schwarzer Fliesenspiegel

Und die Badezimmertür gleich hinterher.

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Ich habe so oft auf den Auslöser gedrückt, wie meine Kamera es erlaubt hat. Aus manchen Bildfolgen könnte man glatt ein Daumenkino machen. Aber ich bin froh drüber – schließlich ist das ja tatsächlich etwas Unwiederbringliches und Unwiederholbares.

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Abriss

 

Und die letzte Außenwand des Anbaus muss gehen:

Abriss

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Was mich ein wenig angerührt hat, ist die mit der verrückten Tapete verzierte Wand, die auch auf dem nächsten Bild gut zu sehen ist. Sie befand sich in einem Einbauschrank im Eingangsbereich, in dem neben dem Sicherungskasten vor allem Besen und dergleichen untergebracht waren. Bevor meine Großeltern in den 80ern neue Fliesen bekamen, standen dort nach meiner Erinnerung auch die Bohnerutensilien meiner Oma. Von gebohnerten Böden war ich als Kind total fasziniert… Da man das Schrankinnere im Normalfall nicht sah, hatte hier drinnen wohl seit den 60er oder 70er Jahren niemand neu tapeziert. Beim Abriss war der Wandschrank schnell weg, aber die tapezierte Wand dahinter sah man noch sehr lange. Bei ihrem Anblick musste ich die ganze Zeit an Fotos meiner Oma aus den 70ern denken…

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Von der anderen Seite passierte nun Folgendes (ich wollte unbedingt festhalten, wie die Wand aus Glasbausteinen links neben der Tür hinter dem Holzding fällt, aber ich glaube, das habe ich gefilmt und nicht fotografiert. Es ging jedenfalls unglaublich schnell und plötzlich lagen die Glasbausteine einfach so rum):

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Sieht das nicht aus, als würde ein Riesenroboter ein Stückchen aus dem Haus rausbeißen?

Abriss

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Und da war’s an diesem ersten Tag. Um kurz nach 16 Uhr war der komplette Anbau des Hauses weg.

Herr Kathrinville ärgerte sich ein wenig, als er eine Stunde später von der Arbeit kam, dass er alles verpasst hatte. Aber am nächsten Tag hatte er glücklicherweise frei und konnte den ganzen Tag lang gucken.

Aber davon ein schreibe ich im nächsten Post – diesen monsterlangen Post schicke ich jetzt erst mal ab.

 

Staubige Grüße von der Baustelle,

Kathrin